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IG Metall @ SAP

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Hauptsache, dem Unternehmen geht's gut?

Wissen ist Macht - wenn das die Arbeitnehmer wüssten

05.03.2007 SAS Institute steigert Umsatz auf 1,9 Milliarden US-Dollar. 260 ArbeitnehmerInnen verlieren ihren Arbeitsplatz

Natürlich liegt es auch im Interesse der ArbeitnehmerInnen, dass es dem Unternehmen gut geht. Sichere Arbeitsplätze sind in der heutigen Zeit viel Wert. Aber wenn es "nur dem Unternehmen" gut geht, ja sogar blendend geht und dieses dann in einer Nacht- und Nebel-Aktion die Gunst der Stunde nutzt und Arbeitsplätze streicht, dann findet dies nicht die Zustimmung der Beschäftigten, ganz besonders nicht die Zustimmung der ehemals Beschäftigten.

Über Nacht: 260 MitarbeiterInnen verlieren ihren Arbeitsplatz
Gemeint ist hier SAS EMEA (Vertrieb und Verwaltung für Europa, den Nahen Osten und Afrika) in Heidelberg. Wie wir am 22.11.06 in dieser Homepage berichteten, hat SAS Ende 2006 seine Aufgaben plötzlich weltweit umverteilt, so dass in Heidelberg die EMEA-Arbeitsplätze von heute auf Morgen gestrichen wurden. Die ca. 300 betroffenen ArbeitnehmerInnen bei SAS EMEA hatten sich zuvor keinen Betriebsrat geleistet - im Gegensatz zu ihren KollegInnen von SAS Deutschland. Immerhin hatte SAS seit 31 Jahren jedes Geschäftsjahr mit Gewinn abgeschlossen! Und SAS gehört auch 2007 laut Wirtschaftsmagazin Capital zu den besten Arbeitgebern in Deutschland (Linkliste unten). Die Belegschaft von SAS EMEA hatte wohl darauf vertraut, ohne Betriebsrat von der Unternehmensleitung lobend anerkannt zu werden. Aber - alte Gewerkschaftserfahrung - diese Hoffnung ist immer verkehrt und war auch bei SAS EMEA Ende 2006 nicht mehr zu halten. So kam es im Januar 2007 doch noch zur Gründung eines Betriebsrats, dies allerdings bereits mitten in die Abbau-Turbulenzen hinein. Den meisten der 300 Beschäftigten ist inzwischen gekündigt worden.

Dem Unternehmen geht es gut
Wie die Presse berichtet, hat der Umsatz der Deutschland-Tochter von SAS um stolze 14 Prozent zugelegt, die Ergebnisse hätten sogar hier 49 Prozent über den Werten von 2005 gelegen (siehe in unserer Linkliste, Heise 14.2.07). Also könnte man meinen, dass diejenigen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, wenigstens eine überdurchschnittliche Abfindung erwarten dürfen?! Auch hier, alte Gewerkschaftserfahrung: Ohne Zwang zahlt kein Arbeitgeber. SAS drückt das so aus: THE POWER TO KNOW.

Woher jetzt noch den erforderlichen Zwang nehmen?
Jetzt will der EMEA-Betriebsrat für die Gekündigten einen Sozialplan erzwingen, damit die wirtschaftlichen Nachteile, die durch den Verlust des Arbeitsplatzes unausweichlich folgen, wenigstens einigermaßen ausgeglichen werden. Recht hat er, denn im § 112 BetrVG ist geregelt: "Kommt eine Einigung über den Sozialplan nicht zustande, so entscheidet die Einigungsstelle über die Aufstellung eines Sozialplans." Aber SAS EMEA wollte keine Einigungsstelle (wen wundert's). Also muss der Betriebsrat zunächst die Einigungsstelle gerichtlich erzwingen; hat er auch gemacht.

Das Heidelberger Arbeitsgericht hat entschieden
Der Zwang ist jetzt durch das Arbeitsgericht in Heidelberg erfolgt. Gegen den Willen des Arbeitgebers hat der Heidelberger Arbeitsrichter Lothar Jordan vergangene Woche eine Einigungsstelle eingesetzt. SAS kann gegen den Beschluss des Arbeitsgerichts Beschwerde einlegen. Sollte das Landesarbeitsgericht die paritätisch zu besetzende Einigungsstelle doch nicht einsetzen, bleibt den Gekündigten nur noch die einzelgerichtliche Klage gegen die Kündigung und ggf. für einen Interessenausgleich gemäß § 113 BetrVG. 42 Mitarbeiter haben gegen ihre Kündigung bereits Klage eingereicht, weitere werden mit hoher Wahrscheinlichkeit folgen, damit SAS EMEA die Trennung von ihren lieben Mitarbeitern nicht zum Nulltarif durchzieht.

Was lernen wir daraus?
Zumindest dies: Wenn es einem Unternehmen gut geht, ist dies keine Garantie dafür, dass es den dort Beschäftigten auch gut geht. Also sollten sich die ArbeitnehmerInnen eines Betriebes auch nie davon abhalten lassen, einen starken und durchsetzungsfähigen Betriebsrat ihres Vertrauens zu wählen.

Letzte Änderung: 20.03.2013


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