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IG Metall @ SAP

Informationen für Beschäftigte der SAP SE und der SAP Deutschland SE & Co. KG



Spitzenverdienst für Manager

Aktienoptionen für Höchstleistungen?

16.12.2007 Erklärungsansätze und andere Merkwürdigkeiten

Zurzeit sind die Vorstandsgehälter einiger deutscher Aktienkonzerne stark in die Diskussion geraten. Sowohl der 2-stellige Anstieg der durchschnittlichen Jahresvergütungen als auch die maßlosen "Spitzenvergütungen" einzelner Topmanager lassen erkennen, dass jegliche Bodenhaftung verloren gegangen sein muss. Diverse Versuche, diese Millionenbezüge weniger Manager den Millionen Arbeitnehmern schlüssig zu erklären, schlugen in aller Regel fehl. Bezüge von Vorstandsvorsitzenden, die 100 bis 1000-fach über dem durchschnittlichen Jahresgehalt eines Entwicklers liegen, können mit individueller Leistung kaum noch gerechtfertigt werden.

Ein anderer Erklärungsansatz ist aber besonders interessant. Wenn z.B. erklärt wird, dass schon deshalb alles rechtens zuginge, weil die Vorstandsbezüge von speziellen Aufsichtsratsausschüssen festgelegt werden, dem auch die Arbeitnehmerseite angehört, dann stellt sich die Frage:

a) Wer ist an der Festlegung der Bezüge beteiligt?
b) Wie unabhängig sind die Arbeitnehmervertreter bei Ihrer Entscheidungsfindung?

Wer legt die Vorstandsgehälter fest?
Der gesetzlich verankerte Weg zu mehr Transparenz der Vorstands- und Aufsichtsratsbezüge eines Konzerns kann hier hilfreich sein: Die Gehälter von Vorstandsmitgliedern werden bei der SAP AG von einem sog. fünfköpfigen Personalausschuss geregelt. Dieser Ausschuss, der für die Vorbereitung der dem Aufsichtsrat obliegenden Personalentscheidungen, d.h. insbesondere der Vergütung sowie den Abschluss, die Änderung und die Aufhebung der Anstellungsverträge der Vorstandsmitglieder zuständig ist, besteht bei der SAP zur Zeit aus folgenden Personen (siehe Link 1 und Link 2 in der Linkliste unten):

  • Prof. Dr. Hasso Plattner (Vorsitzender) - Arbeitgeberseite
  • Panagiotis Bissiritsas (AN-Vertreter)
  • Prof. Dr. Wilhelm Haarmann - Arbeitgeberseite
  • Dr. Gerhard Maier (AN-Vertreter)
  • Prof. Dr. Joachim Milberg - Arbeitgeberseite

Dieser Personalausschuss ist erst seit der Amtsperiode 2007 aus 5 Aufsichtsratsmitgliedern aufgestockt worden. Früher waren es nur 3 Mitglieder:

  • Prof. Dr. Hasso Plattner (Vorsitzender) - Arbeitgeberseite
  • Prof. Dr. Wilhelm Haarmann - Arbeitgeberseite
  • und eben Dr. Gerhard Maier!

3:2 oder 5:0
Also halten wir schon mal fest, im Personalausschuss des AR ist die Arbeitnehmerseite immer in der Minderheit. Der jetzige Personalausschuss setzt sich aus drei Vertreter der Anteilseigner und zwei Arbeitnehmervertreter zusammen. Aber ob es jetzt 3:2 oder 5:0 steht, hängt ganz von der Einstellung der Arbeitnehmervertreter ab. Wenn wir uns den Arbeitnehmervertretern widmen, fällt auf, dass diese - im Unterschied zu gewerkschaftlich organisierten Vertretern - bei der SAP AG ihre Aufsichtsratsbezüge von mind. 100.000 Euro/Jahr behalten (siehe auch Link 3 in der Linkliste unten). In Gewerkschaftskreisen sind diese Bezüge ganz überwiegend an die gemeinnützige Hans-Böckler-Stiftung abzuführen, um so die Bildungsarbeit für die Arbeitnehmerschaft zu unterstützen und auch, um die finanzielle Unabhängigkeit der AR-Vertreter sicher zu stellen. Eine Verdopplung der Jahresbezüge durch die Aufsichtsratstätigkeit kann zur ungewollten Abhängigkeit führen und in Verbindung mit einer Betriebsratstätigkeit auch die Ausübung dieses Ehrenamts beeinflussen.

Und jetzt zu den SOPs
Eine weitere Besonderheit bei SAP fällt beim Gewerkschaftsvertreter Dr. Gerhard Maier auf (CGM), der ja in der maßgeblichen Amtszeit der einzige Arbeitnehmervertreter im Personalausschuss des Aufsichtsrats war. Dieser - der jetzt nebenbei auch Betriebsratsmitglied ist - hat am 30.10.2007 stolze 7.600 Aktien der SAP AG zu einem Preis von EUR 37,4157 je Stück verkauft. Dieser Zusatzverdienst von 284.359,32 Euro erfolgte im Rahmen des "SAP Stock Option Plan 2002", kurz "SAP SOP 2002" (siehe Link 4 und Link 5 in der Linkliste unten).

Aufsichtsratstätigkeit rechtfertigt keine aktienbasierte Vergütung ...
Der SAP-eigenen Internetseite (Link 5) kann man auch entnehmen, dass die Mitglieder des Aufsichtsrats für ihre Aufsichtsratstätigkeit keine Aktienoptionen oder andere aktienbasierte Vergütungen erhalten. O-Ton SAP: Sofern Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat Aktienoptionen oder andere aktienbasierte Vergütungen erhalten, resultieren diese Leistungen aus ihrer Stellung als Arbeitnehmer der SAP AG und sind von ihrer Aufsichtsratstätigkeit unabhängig. Seiner Schlüsselstellung im Personalausschuss des SAP-Aufsichtsrats - der u.a. die Vorstandsbezüge festlegt - hat Dr. Gerhard Maier also offensichtlich seine SOPs nicht zu verdanken.

... und Betriebsratstätigkeit schon 2mal nicht
Als Betriebsratsmitglied kann Dr. Gerhard Maier die SOPs auch nicht bekommen haben, denn dies ist ein Ehrenamt wie Wahlhelfer oder dergleichen. Außerdem gibt es bei der SAP AG erst seit Juni 2006 einen Betriebsrat - und Dr. Gerhard Maier zählt zur Liste, auf der sich die Mehrheit als Betriebsratsmitglieder-wider-Willen begreift (Liste Wir-für-Dich): Siehe Link 7 in der Linkliste unten.

Die Festsetzung leistungsbezogener Entgelte ist mitbestimmungspflichtig
Ein Blick in die Bedingungen des "SAP Stock Option Plan 2002" zeigt, dass mit dem "SAP SOP 2002" den Mitgliedern des Vorstands der SAP und weiteren ausgewählten Führungskräften und sonstigen Leistungsträger der SAP und ihrer Konzerngesellschaften Aktienoptionen mit Bezugsrechten auf SAP-Aktien eingeräumt werden, siehe Link 8 in der Linkliste unten. Der Betriebsrat müsste somit Bescheid wissen, wer die einzelnen Leistungsträger sind und warum sie es sind, denn sowohl Festsetzung leistungsbezogener Entgelte also auch Einführung und die Änderung der Entlohnungsgrundsätze sind Themen, die der Betriebsrat mitzubestimmen hat.

Jetzt wäre nur noch zu klären, ob der Development Project Manager Dr. Gerhard Maier ein außergewöhnlicher Leistungsträger ist, wer das auf wessen Rat festgestellt hat und wie die Leistung aussieht, der Dr. Gerhard Maier seine SOPs verdankt. Interessant wäre auch, ob andere Manager auf gleicher Ebene annähernd so viel leistungsbezogene Bezüge bekommen haben? Bei Helga Classen - derzeit BR-Vorsitzende - hat's schließlich auch funktioniert: Sie konnte am 10.12.2007 7556 SAP-Aktien aus dem SOP zum Gesamtpreis von 270.504,04 Euro verkaufen (Link 9 in der Linkliste). Frage: Hat sie die SOPs als übertüchtige Datenschützerin bekommen - neben ihrem aufreibenden ehrenamtlichen Ganztagsjob als ANV-Vorsitzende - oder war es am Ende bei Ihr und bei Dr. Gerhard Maier nur ein Dankeschön für das jahrelange Engagement zur Verhinderung eines Betriebsrats? Da Dr. Gerhard Maier inzwischen der Vorsitzende des zuständigen Betriebsratsausschusses BR-AE ist (das ist der Entgeltausschuss des BR), dürfte die Informationsbeschaffung über die erforderliche Gleichbehandlung wohl kein Problem sein.

Letzte Änderung: 27.10.2008


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