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IG Metall @ SAP

Informationen für Beschäftigte der SAP SE und der SAP Deutschland SE & Co. KG



Der Betriebsrat informiert

Gerechtigkeit fängt mit Transparenz an

23.01.2008 Der SAP-Betriebsrat informiert anlässlich der Gehaltsrunde 2008

Immerhin, der SAP-Betriebsrat kann jetzt - Januar 2008 - über die ersten Erfolge seiner Arbeit berichten. Stolz verkündet die BR-Vorsitzende in einem Rundschreiben an die Belegschaft: "Der Betriebsrat hat deutliche Verbesserungen für die Gehaltsrunde 2008 bewirkt".

Erinnern wir uns:
Das SAP-Gehaltssystem war in der Vergangenheit Spitzenklasse in punkto Intransparenz. Man kannte bestenfalls sein eigenes Jahreseinkommen und darüber war per Arbeitsvertrag Stillschweigen angeordnet. Das Gehalt der anderen war natürlich tabu und ist es auch heute, obwohl es nicht strafbar ist, über sein eigenes Gehalt laut zu reden. Aber die den festen und variablen Bestandteilen zugrunde liegenden Gehaltstabellen und auch die Zuordnungs- und die Berechnungsgrundsätze des SAP-Gehalts-, Prämien- und Bonussystems fielen unter die strikte Schweigepflicht. So war man stets auf Gerüchte und gute Kontakte ins Management angewiesen, wenn man sich im SAP-Gehaltsdschungel etwas orientieren wollte.

Diskriminierungen einzelner Belegschaftsgruppen konnten so weder auffallen noch belegbar angeprangert werden, die Belegschaft vertraute einfach auf ein gerechtes Entlohnungssystem. Der Vorteil der gefühlten Gerechtigkeit ist ja eben, dass man sie nur fühlen braucht. Wer sich dennoch unterbezahlt oder benachteiligt vorkam konnte bestenfalls an seiner eigenen Leistung zweifeln oder passte schlicht nicht zur SAP-Kultur.

Die MitarbeiterInnen des SAP-Konzerns waren somit auf Treu und Glauben von den Aussagen des Managements abhängig. Diese Intransparenz galt aber nur für die SAP-ArbeitnehmerInnen. Das für das Personal verantwortliche HR-Management der SAP AG stimmte sich laufend mit den konkurrierenden Unternehmen der High-Tech-Industrie über die Gehaltssystematik ab, wie die Leitung vor Gericht zugeben musste. Regelmäßige Benchmarks mit den IT-Mitbewerbern über die Barvergütung und über geldwerte Zusatzleistungen verhinderten, dass die SAP-Gehälter aus dem Ruder liefen. Wissen ist Macht, das wusste der Arbeitgeber schon immer.

Durch die erste Betriebsratswahl änderte sich alles
Erst durch die von SAP-MitarbeiterInnen erzwungene Wahl des Betriebsrats im Juni 2006 konnten Strukturen geschaffen werden, die gesetzlich verankerte Mitbestimmungsrechte und für die Belegschaft insbesondere verbindliche Informationsrechte brachten. Durch eine verbesserte Information hat die Belegschaft den Vorteil, dass sie sich jetzt endlich einen Überblick über das SAP-Gehaltssystem verschaffen kann.

Klar dass das SAP-Management mit aller Kraft einen Betriebsrat verhindern wollte.
Ein letztes Aufbäumen gegen mehr Transparenz leistete sich die SAP-Führung, als sie gegen die geplante betriebsinterne Publikation der Gehaltsbänder vor Gericht zog - siehe unsere Artikelserie "Geheimes Gehaltssystem?" im Februar/März 2007 (Linkliste unten). Sie verlor allerdings auch in diesem Punkt gegen die Liste ProMitbestimmung.

Auch wenn der Betriebsrat der SAP AG mehrheitlich immer noch nicht den erforderlichen Mut aufbringt, von seinen Mitbestimmungsrechten gem. § 87(1)10 BetrVG Gebrauch zu machen - er greift z.B. im vorliegenden Fall nur zu einer rel. unverbindlichen Regelungsabrede statt eine für die ArbeitnehmerInnen verbindliche, auch nach einer Vereinbarungskündigung nachwirkenden Betriebsvereinbarung durchzusetzen - so ist mit dem aktuellen BR-Rundschreiben zur Gehaltsrunde 2008 immerhin ein erster Schritt in Richtung "mehr Transparenz und mehr Gerechtigkeit" gegangen worden. Mit diesen Informationen lässt sich in der anstehenden Gehaltsrunde wesentlich besser argumentieren. Und einige krasse Ungerechtigkeiten wie "Nullrunden" und Unterbezahlung ganzer Standorte konnten ebenfalls reduziert werden. Wir hoffen, dass die Belegschaft ihre Informationsrechte mehr und mehr wahrnimmt und dass der Betriebsrat zum Wohle der Belegschaft auch mal zur Mitbestimmung greift.

Letzte Änderung: 14.08.2009


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