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Trauer um Joseph Weizenbaum

Joseph Weizenbaum - Foto: Christian Geisler

11.03.2008 Forum Soziale Technikgestaltung trauert um Prof. Joseph Weizenbaum. Der IT-Spezialist und rigorose Kritiker des naiven Fortschrittsglaubens starb im Alter von 85 Jahren

Joseph Weizenbaum

Weizenbaum: "Die höchste Priorität der Schule ist es, den Schülern ihre eigene Sprache beizubringen, so dass sie sich klar und deutlich artikulieren können: in ihrer stillen Gedankenwelt ebenso wie mündlich und schriftlich. Wenn sie das können, dann können sie auch kritisch denken und die Signale, mit denen sie ihre Welt überflutet, kritisch interpretieren. Wenn sie das nicht können, dann werden sie ihr ganzes Leben lang Opfer der Klischees und Schablonen sein, die die Massenmedien ausschütten."

Der langjährige Partner des Forum Soziale Technikgestaltung, der weitweit bekannte IT-Spezialist und Gesellschaftskritiker Prof. Joseph Weizenbaum ist im Alter von 85 Jahren am Mittw., den 5.3.2008 in Berlin gestorben. Der vor den Nationalsozialisten 1936 aus Berlin in die USA geflohene Experte entwickelte sich zu den schärfsten Kritikern einer blinden Computergläubigkeit und einer bildungsverarmten Informationsgesellschaft. Stets warnte er davor, der Technik eine Intelligenz zuzubilligen, oder zu glauben, Computer würden Probleme lösen. "Da wir zur Zeit keine Möglichkeit kennen, Computer auch klug zu machen, sollten wir Computern auch keine Aufgaben übertragen, deren Lösung Klugheit erfordert". Joseph Weizenbaum, der jahrelang am Massachusetts Institute of Technology (MIT) forschte und selbst Computersprachen entwarf, wandte sich öffentlich gegen die militärische Nutzung der Informationstechnik. 1996 war Weizenbaum nach 60 Jahren Exil in den USA in seine Heimatstadt Berlin zurückgekehrt.

Joseph Weizenbaum, 2005 in Berlin - Quelle: Wikipedia

Mehrfach war er Referent bei den Fachveranstaltungen des Netzwerkes Forum Soziale Technikgestaltung über den Wandel der Arbeitswelten und deren Virtualisierung. Den Beschäftigten machte er Mut, sich in die IT-Prozesse hineinzubegeben und dabei aber die eigenen Interessen durchzusetzen. Mit scharfen Worten machte er auf die Polarität - nicht nur in der amerikanischen Gesellschaft - aufmerksam, in der das Internet befürwortet und die Bildung der Menschen vernachlässigt werde. Vor Betriebsräten rief er zu mehr Rückgrat im Widerspruch gegen die Entwicklung von IT-gestützten Hightech-Waffen auf.

In einem Artikel "Wider den Zeitgeist" forderte er zur Zivilcourage insbesondere im Alltag auf: "Die größte Anstrengung kostet sie oft in jenen kleinen Situationen, in denen die Herausforderung darin besteht, die Ängste zu überwinden, die uns überkommen, wenn wir über unser berufliches Weiterkommen beunruhigt sind, über unser Verhältnis zu jenen, die in unseren Augen Macht über uns haben, über alles, was den ruhigen Verlauf unseres Lebens stören könnte: Also, gerade hier und gerade jetzt: Wider den Zeitgeist!"

In Berlin wird die jüdische Gemeinde am 18. März 2008 ab 14 Uhr eine Trauerfeier veranstalten.

Letzte Änderung: 15.07.2008


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