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IG Metall @ SAP

Informationen für Beschäftigte der SAP SE und der SAP Deutschland SE & Co. KG



Restrukturierungen belasten immer

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11.12.2011 Besser, schneller, weiter, mehr

Zu den häufigsten Arbeitsbelastungen gehören neben dem Zeit- und Konkurrenzdruck, Überstunden und überlange Arbeitszeiten, besonders die permanenten Reorganisationen, große und kleine, schmerzhafte und abwertende, schnelle und langsame Restrukturierungen, damit ein hohes Arbeitstempo erhalten bleibt.

Als Beschäftigte verfügen wir nicht über den ausreichenden Gestaltungseinfluss, um die Arbeitsbelastungen zu vermeiden. Hinzukommt, dass der ständige Projektwechsel, überzogene Arbeitsanforderungen und die geforderte Höchstleistungskultur den Abbau von Entlastungen verhindert und die permanente Überschreitung von Leistungsgrenzen fördert. Ärzte und Therapeuten sprechen bereits von stark veränderten Krankheitsbildern. Ein deutlicher Beleg sind der überproporationale Anstieg psychischer Erkrankungen.

Keine Zeit zum Durchschnaufen

Ein Kollege beschreibt die ständigen Veränderungen: "Wir berücksichtigen viel zu wenig die zeitversetzte Beschäftigung der Ebenen mit einem Thema. Wenn der Vorstand das schon auf done gesetzt hat, fangen die Teams gerade einmal an sich damit zu beschäftigen."

Permanente Reorganisationen verunsichern viele Beschäftigte seit Jahren. Nicht Kontinuität wird angestrebt, sondern eine steigende Arbeitsverdichtung. Da bleibt vielen die "Luft weg" und kaum Spielraum für Innovationen. "Die letzte Restrukturierung war schon heftig, aber die jetzige übertrifft alles bisherige. Trotzdem wird verlangt, dass wir alle Termine einhalten und Ergebnisse abliefern. Andererseits weiss ich nicht, welchen Job ich übermorgen mache. Es bleibt auch keine Zeit mal durchzuschnaufen wie früher. Da gab's immer wieder Arbeitsspitzen, die sind zwar jetzt weg, doch die Arbeitsbelastung bleibt immer hoch." Flexible Arbeitsformen wie Projektarbeit in Kombination mit indirekten Personalsteuerungsinstrumenten sowie Zielvorgaben und eine willkürliche Leistungsbewertung, erhöhen den Druck auf Einzelne, Teams und Organisationseinheiten.

Der Arbeitswissenschaftler Wolfgang Menz vom Münchner Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF) beobachtet solche Entwicklungen bei vielen Unternehmen. Arbeitgeber schauen nicht mehr darauf, was ihre Belegschaft schaffen kann, sondern geben Ziele vor. Immer mehr, immer besser, immer schneller, mit immer weniger Leuten.

Hauptsache Rendite

Der Aufsichtsrat gibt die marktradikale Gewinnmarge vor und der Vorstand setzt sie mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln um: Bis zum Jahr 2015 sollen mindestens 35% Gewinnmarge erreicht werden, als Zeichen neoliberaler, marktradikaler Unternehmensführung. Nicht mehr der Mensch ist das Maß, sondern die maßlose Renditeforderungen bestimmen den Takt der Arbeit. Der grenzenlos belastbare und flexible Mensch ist Ausdruck einer inhumanen Arbeitskultur. Sie reduziert die beschäftigten Mitarbeiter auf ihre Leistungs- und Arbeitsfähigkeit.



"... alles was über eine Renditemarge von zehn Prozent hinausgeht, solle der Belegschaft zugute kommen. SAP hatte im vergangenen Jahr eine Marge von 31,5 Prozent, in diesem Jahr von 32,8 Prozent und strebt für 2015 runde 35 Prozent an. Wenn 25 Prozent an die Beschäftigten zurückflössen wäre das großartig." (Eberhard Schick)

Der zunehmende Leistungsdruck auf die SAP-Beschäftigten zeigt, wie wirtschaftlicher Nutzen und die soziale Anerkennung von Arbeit auseinanderdriften. Jeder Beschäftigte soll als Individuum wettbewerbsfähig gegenüber seinen Kollegen sein und muss täglich seine Wertschöpfung unter Beweis stellen. Wer sich nicht "rechnet dem droht eine Massnahme, spätestens im jährlich geplanten Mitarbeitergespräch.

Was SAP technisch macht, ist gut. Schlecht sind permanent ändernde Strukturen, unklare, interne Prozesse und eine immer höhere Arbeitsbelastung. Der Schutz der Menschenwürde sollte auch bei einem renditegetriebenen Unternehmen wie SAP Beachtung finden.

Rädchen im Getriebe

Viele setzen dafür auf eine neue Zauberformel: Ganzheitliche Produktionssysteme. Was klingt wie ein Wohlfühlprogramm, ist in der Praxis vieler Betriebe Synonym für harte Fließbandarbeit. Oft wird die Arbeit in kleine Einheiten zerstückelt, die in immer kürzerer Zeit erledigt werden müssen. Dabei treibt das System unmenschliche Blüten. Nicht nur der Takt wird festgelegt, sondern auch jeder Schritt und jeder Handgriff innerhalb eines Arbeitsablaufs. Angesichts ständig neuer Anforderungen belastet viele Beschäftigte vor allem der Blick in die Zukunft, sagt der Arbeitswissenschaftler Menz vom ISF. "Was ich heute geleistet habe, reicht morgen nicht mehr." Da fragt sich mancher: Wie soll das weitergehen? .

Viele fühlen sich in diesem System verunsichert und fremdbestimmt. Ein Kollege meinte, dass es wie Fließbandarbeit ist. Es hat den Anschein, es wird nur darauf geschaut, wie man aus den Leuten mehr herausholen kann. Da wird die Gesundheit der Menschen verprasst.

Auf Dauer hält das keiner durch.

Letzte Änderung: 09.12.2011


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