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SAP will "marktgerechte" Gehälter zahlen

Weihnachten

20.12.2011 Wir haben hochqualifizierte und hochmotivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die hervorragende Produkte bauen. Damit das so bleibt, bezahlen wir auch gute Gehälter.

So lautete die Devise bei SAP bis vor wenigen Jahren.

Dieses Erfolgsrezept scheint nicht mehr der Weg des aktuellen SAP-Vorstands zu sein. Um die anvisierte Umsatzrendite von 35% im Jahr 2015 nicht zu gefährden, baut der SAP-Vorstand vor: Die sog. Erfolgsbeteiligung soll umgestaltet werden.

Gehen wir zunächst ein Stück in die Vergangenheit: Vor ziemlich genau einem Jahr wurde den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen eine Powerpointpräsentation vorgestellt, auf deren erster Seite bereits folgender Text zu lesen war:

Trotz der seit Jahren als moderat wahrgenommenen Gehaltserhöhungsbudgets liegen die von SAP gezahlten Gehälter im Durchschnitt deutlich über Markt. Das ist insbesondere zurückzuführen auf:
- überdurchschnittlich hohe Bonusauszahlungen
- Auszahlung der Erfolgsbeteiligung in der Regel deutlich über 100%
- Geringerer Anstieg der Gehälter unserer Mitbewerber

Unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt verfehlten diese Aussagen ihre Wirkung nicht, die Kollegen und Kolleginnen waren schockiert. Sollte es um ihr Geld gehen? Erfolgsbeteiligung und Bonus machen zusammen bei den meisten SAPlern etwa 15% - 20% ihres Gehalts aus.

Die genannte "Erfolgsbeteiligung" ist ein von 1995 bis 1997 schrittweise eingeführter Gehaltsbestandteil, der bei 100% Zielerreichung einem Monatsgehalt entspricht. Die durchschnittliche Auszahlung der letzten 10 Jahre liegt, selbst wenn man das Rekordjahr 2009 mit einer Auszahlung von 276% weglässt, bei fast 135%.

Die Mehrzahl der SAPler hat im Branchenvergleich bereits jetzt gute, aber keine exorbitant hohen Gehälter und erwartet zu Recht, dass für Erfolgsjahre wie 2010 und 2011 weiterhin hohe Bonusbezahlungen und Erfolgsbeteiligungen ausbezahlt werden.

Unübersehbar versucht die SAP seit einem Jahr, die Höhe der Auszahlung der variablen Anteile der Gehälter fast aller SAP-Beschäftigten zu drücken. Die Möglichkeiten des Betriebsrat dagegen zu steuern sind gering, da in einem nicht-tarifgebundenen Unternehmen wie SAP bei der Höhe der Entgelte der Arbeitgeber allein bestimmt.

Schon bei der Erfolgsbeteiligung für das Jahr 2010, welche im März 2011 ausbezahlt wurde, plante die Arbeitgeberseite, eine reduzierte Erfolgsbeteiligung von 126% auszubezahlen. Dies konnte der Betriebsrat verhindern und es wurde tatsächlich eine Erfolgsbeteiligung über 154% ausbezahlt.

Nun geht es um die Erfolgsbeteiligung für 2011, die mit dem Märzgehalt 2012 ausbezahlt werden wird. Hier hat die SAP einen Paradigmenwechsel vorgenommen. Während bisher galt, dass eine Erreichung der Unternehmensziele über 100% in besonderem Maße an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitergegeben werden sollte, gilt nun, dass es bei einer Zielerreichung über 100% nur noch ein verlangsamtes Anwachsen der Auszahlung geben soll.

Bis zum September 2011 war noch auf den Intranetseiten der SAP zu lesen:

Höhe der Erfolgsbeteiligung:
- Die geplante Erfolgsbeteiligung beträgt 8,33% des Jahresgrundgehalts (Summe der Monatsgehälter), was bei ganzjähriger Beschäftigung und einem während des jahresunverändertem Gehalt einem Monatsgehalt entspricht.
- Bei einer Zielerreichung von 100% wird die geplante Erfolgsbeteiligung ausgeschüttet.
- Bei einer Zielerreichung von unter 75% gibt es keine Erfolgsbeteiligung.
- Liegt die Zielerreichung zwischen 75% und 100%, ist die tatsächliche Erfolgsbeteiligung linear zur Zielerreichung.
- Bei einer Zielerreichung von über 100% steigt die tatsächliche Erfolgsbeteiligung überproportional. Pro Prozentpunkt über 100% erhöht sich die Erfolgsbeteiligung um 2%. So wird z.B. bei einer Ziellerreichung von 110% eine Erfolgsbeteiligung in Höhe von 120% der geplanten Erfolgsbeteiligung gezahlt.

Mitten im Jahr verschwand dieser Text, auf den noch im Gehaltsbrief 2011 verwiesen wurde.

Es kam zu einer Einigungsstelle, bei der der Einigungsstellenvorsitzende die Position des Arbeitgebers komplett übernahm.

Es gilt nun eine per Spruch der Einigungsstelle eingesetzte Vereinbarung, in der es über 100% nur noch den einfachen Anstieg der Auszahlung gegenüber der Zielerreichung gibt. Im Beispiel von oben ergeben 110% Zielerreichung nur noch eine Auszahlung von 110%.

Im Beispiel würde das für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eine Reduktion ihrer Erfolgsbeteiligung um immerhin 10% eines Monatsgehalts bedeuten.

Dazu passt die Umstellung des Bonusplansystems, die erstmals bei der Auszahlung im März 2012 greifen wird: Vordergründig sollte die individuelle Leistung betont werden, doch von der Gestaltung des zur Verfügung gestellten Budgets her kann man davon ausgehen, dass - trotz einer weltweiten Nachbesserung auf Druck der Arbeitnehmervertretungen - der größte Teil der Mitarbeiter schlechter fahren wird als in den Vorjahren.

Wo bleibt da die Motivation für die SAP-Beschäftigten?

Letzte Änderung: 08.02.2016


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