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IG Metall @ SAP

Informationen für Beschäftigte der SAP SE und der SAP Deutschland SE & Co. KG



Berliner Erklärung

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22.12.2012 Die Beschäftigten dürfen nicht zur Manövriermasse der Wirtschaft werden. Ökonomie ist kein Selbstzweck. Die Zerstörung des Sozialen verhindern, die Ausplünderung der Natur beenden!

Im Dezember 2012 haben sich Menschen aus Gewerkschaften, Wissenschaft und Politik in Berlin getroffen, um über Alternativen zur heutigen gesellschaftlichen Entwicklung zu beraten. Sie haben Erfahrungen und Wissen zusammengetragen, um voneinander lernen und den notwendigen Richtungswechsel gestalten zu können.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise, die die Weltwirtschaft seit vier Jahren im Griff hat, zeigt uns: Der finanzmarktgetriebene Kapitalismus ist ein Irrweg. Die ökonomische Instabilität ist nur eine Folge. Betroffen sind alle gesellschaftlichen Bereiche.

Unsichere Arbeitsverhältnisse nehmen zu. Öffentliche Daseinsfürsorge wird abgebaut. Politische Resignation bedroht die Demokratie von innen. Durch scheinbare ökonomische Sachzwänge werden demokratische Willensbildungsprozesse unter Druck gesetzt oder verhindert. Während sich bei einer kleinen Gruppe ein unverschämter Reichtum sammelt, wächst die Zahl der Menschen, die nicht mehr von ihrer Arbeit leben können. Arbeitslose werden an den Rand der Gesellschaft gedrängt.

Die Beschäftigten dürfen nicht zur Manövriermasse der Wirtschaft werden. Ökonomie ist kein Selbstzweck. Sie hat den Bedürfnissen der Menschen zu dienen und soll sich an den Werten wie Solidarität, Gerechtigkeit, Würde und Respekt orientieren. Demokratische Entscheidungen müssen Richtung und Regeln der Ökonomie bestimmen. Sie haben die Bedingungen für ein freies, solidarisches und selbstbestimmtes Leben aller Menschen zu schaffen. Schritt für Schritt muss auf eine nachhaltige Wirtschaftsweise umgestellt werden. Es ist Zeit für einen
Kurswechsel!

Die IG Metall setzt sich für diesen Kurswechsel ein. Die internationale Konferenz
"Kurswechsel - für ein gutes Leben" gab hierfür wichtige Impulse. Die IG Metall hat
von Gewerkschaftern, Wissenschaftlern und Politikern aus aller Welt Unterstützung
erfahren.

Die Dominanz der Finanzmärkte muss durch eine konsequente Regulierung gebrochen werden. Der Finanzsektor hat der wirtschaftlichen Entwicklung zu dienen, statt sie zu beherrschen. Eine Finanztransaktionssteuer muss eingeführt werden, selbst wenn sie zunächst nur in Teilen Europas zu realisieren ist. Kapital soll in Investitionen für qualitatives Wachstum gelenkt werden.

Der ökologische Wirtschaftsumbau muss beschäftigungsfördernd und mit dem notwendigen Tempo vorangetrieben werden. Durch die Mitbestimmung der Beschäftigten kann der Umbau auf eine breite Basis gestellt und solidarisch ausgestaltet werden. Industrielle Produktion bleibt die Grundlage der ökonomischen Entwicklung. Wir brauchen eine nachhaltige Industriepolitik, bei der ökologische, soziale, wirtschaftliche und demokratische Dimensionen Hand in Hand gehen.

Eine gerechte Verteilungs- und Steuerpolitik ist ein entscheidendes Mittel, die soziale Spaltung abzubauen. Diese gesellschaftlichen Verwerfungen zu überwinden muss auch zentrale Aufgabe der Bildungs- und Sozialpolitik sein. Die wachsende gesellschaftliche Ungleichheit ist zum größten Hindernis von sozialem Fortschritt geworden.

Ein Leben in Sicherheit und Würde ist ohne den Schutz des Sozialstaates nicht möglich. Abbau von Leistungen oder Privatisierung sozialer Risiken müssen beendet werden. Die Absicherung von Lebensrisiken soll solidarisch ausgestaltet und finanziert werden.

Die Verwilderung des Arbeitsmarktes muss beendet und die prekäre Beschäftigung beseitigt werden. Jeder muss von seiner Arbeit leben können.

Leitbild ist gute Arbeit, die die Gesundheit schützt, sicher ist und die fachlichen und kreativen Fähigkeiten der Menschen fördert.

Wir wollen ein solidarisches Europa, das gerade auch in Krisen füreinander einsteht. Wir fordern einen Marshallplan für die Länder, die von Krisen betroffen sind. Wir wollen eine solidarische Weltwirtschaftsordnung, die allen faire Möglichkeiten gibt, ihre Potenziale zu entwickeln und gleiche Lebenschancen zu erreichen.

Wir fordern Arbeit und Zukunftsperspektiven für die junge Generation.

Der Kurswechsel ist kein Projekt für eine ferne Zukunft. Die Gewerkschaften stehen
mitten in der Auseinandersetzung um die Richtung der gesellschaftlichen
Entwicklung.

Gelingt es uns, Arbeit sicher und fair zu gestalten, überall existenzsichernde
Einkommen durchzusetzen, Bildungsgerechtigkeit zu verbessern und die Spaltung
der Gesellschaft einzudämmen, dann werden wir das Gesicht der Gesellschaft
entscheidend verändern.

Wir stehen nicht alleine. Überall auf der Welt gibt es Gewerkschaften, politische
Parteien und soziale Bewegungen, die einen Kurswechsel wollen. Die Kontrolle der
Finanzmärkte, die Steuerung der Weltwirtschaft und die Begrenzung des
Klimawandels und von Armut können nur global geleistet werden. Die
Zusammenarbeit über die Grenzen hinaus zu stärken, ist eine wesentliche
Voraussetzung für den Kurswechsel.

An diesem Kongress nahmen Teilnehmer/innen aus 60 Ländern teil, um gemeinsam
Antworten zu finden für einen Kurswechsel, der Demokratie und soziale
Verantwortung stärkt und eine ökologisch nachhaltige Entwicklung möglich macht.

Einen Kurswechsel für ein gutes Leben!

Letzte Änderung: 19.12.2012


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