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19.02.2013 Ratgeber: "Sexuelle Belästigung - Nicht wegschauen - sondern handeln - STOPP"

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist in vielen Betrieben noch immer ein Tabu. Die Opfer fühlen sich in ihrer Würde verletzt und schweigen häufig, die Täter fühlen sich in ihrer Stellung bestärkt und viele Beschäftigte schauen weg. Tatsächlich kennt nahezu jede Frau die taxierenden Blicke von Kollegen und Vorgesetzten. Jede Zweite musste sich schon einmal anzügliche Bemerkungen über ihre Figur anhören. Jede Dritte fühlte sich schon einmal durch Pfiffe, Sprüche oder Witze mit sexuellen Anspielungen oder auch durch Comics, Poster oder Kalender mit sexuellem Bezug oder pornografischem Inhalt belästigt. Jede Fünfte erhielt Briefe oder Telefongespräche mit sexuellen Anspielungen oder Annäherungsversuchen.

Sexuelle Belästigung ist ein schwierig zu fassendes Thema, weil es auf die subjektiven Empfindungen der Betroffenen ankommt. Was die Einzelne als sexuelle Belästigung empfindet, kann höchst unterschiedlich sein. Für die Betriebsrätinnen und Betriebsräte und couragierte Kolleginnen und Kollegen heißt das, dass sie sich auch frei machen müssen von ihren eigenen Bewertungsmaßstäben und akzeptieren, dass jede/r Einzelne eine andere Schwelle hat.

Mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ist im August 2006 eine neue gesetzliche Grundlage geschaffen worden, gegen sexuelle Belästigung vorzugehen. Das AGG bietet den Betroffenen Möglichkeiten, sich gegen Belästigungen zur Wehr zu setzen und verpflichtet den Arbeitgeber, ein belästigungsfreies Klima im Betrieb zu schaffen. Dafür sind dem Arbeitgeber verschiedene Handlungspflichten auferlegt, die Betriebsrätinnen und Betriebsräte einfordern können und müssen.

Das AGG ist zugleich eine Chance, aktiv und verstärkt gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz vorzugehen. Dies ist dringend notwendig. Denn auch wenn sexuelle Belästigung in der öffentlichen Wahrnehmung zur Zeit keine bedeutende Rolle spielt: Sie findet statt - manchmal mit dramatischen Folgen für die Opfer. So zeigen Studien, dass die Opfer von sexueller Belästigung besonders häufig in den unteren Hierarchiestufen zu finden oder erst kurz im Betrieb sind. In Zeiten von Massenarbeitslosigkeit heißt das leider: Die Betroffenen schweigen aus Angst um ihren Arbeitsplatz.

Diese Broschüre soll Frauen Mut machen, das Schweigen zu brechen, die Belästigung nicht länger zu dulden, sich zu wehren - notfalls auch mit rechtlichen Schritten. Sie soll die schwierige Aufgabe von Betriebsrätinnen und Betriebsräten unterstützen. Keine Frau, die sich wehrt, soll alleingelassen werden und kein Mann ungestraft bleiben, wenn er die Würde der Frau verletzt!

Wer sind die Opfer?

Beinahe jede vierte Frau - 22 Prozent aller Frauen - wurden in Zusammenhängen von Schule, Ausbildung und Arbeit sexuell belästigt. Diese erschreckende Zahl nennt die Studie "Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen" des Bundesministeriums für Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) aus dem Jahr 2005.

In einer älteren Studie des Bundesministeriums (1990) gaben allerdings mehr als 90 Prozent der befragten Frauen an, sie seien bereits in Arbeitszusammenhängen belästigt worden. In dieser Studie wurde nach konkret belästigenden Situationen gefragt.

Was der Gesetzgeber nun unter sexueller Belästigung versteht, ist in § 3 Abs. 4 AGG geregelt.

"Eine sexuelle Belästigung ist eine Benachteiligung in Bezug auf § 2 Abs. 1 Nr. 1 bis 4, wenn ein unerwünschtes, sexuell bestimmtes Verhalten, wozu auch unerwünschte sexuelle Handlungen und Aufforderungen zu diesen, sexuell bestimmte körperliche Berührungen, Bemerkungen sexuellen Inhalts sowie unerwünschtes Zeigen und sichtbares Anbringen von pornographischen Darstellungen gehören, bezweckt oder bewirkt, dass die Würde der betreffenden Person verletzt wird, insbesondere wenn ein von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird."

Kündigung

Ein Produktmanager wollte mehr Reize von Kolleginnen sehen und äußerte beleidigend und diskriminierend. Ein eindeutiges Angebot war der Anlaß für eine Beschwerde beim Arbeitgeber. Die Kündigung wurde vom Bundesarbeitsgericht bestätigt.

Fristlose Kündigungen, die alle von Arbeitsgerichten bestätigt wurden, erfolgten bei "Hallo, du geiles Etwas, heute komme ich zu dir und dann bumsen wir eine Runde.", "Frauen wie dich hatte ich schon Hunderte" oder die Übermittlung von pornografischen Bildern.

Aus dem Inhalte der Broschüre:

1. Was ist sexuelle Belästigung?
2. Folgen von sexueller Belästigung
3. Rechtslage
4. Gegenstrategien - was tun gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz?
5. Für ein belästigungsfreies Betriebsklima - gute Praxisbeispiele

Anhang:

Ratgeber

Ratgeber

Dateityp: PDF document, version 1.3

Dateigröße: 284.23KB

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Letzte Änderung: 18.02.2013


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