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15.08.2013 Auswirkungen von SuccessFactors auf die Arbeits- und Gesundheitsbedingungen

SAP hat die cloud-basierte Software für Personalmanagement SuccessFactors erworben. Diese verwaltet nicht nur Personaldaten, sondern ermöglicht es, die Mitarbeiterentwicklung mit Unternehmenszielen zu verknüpfen. Die Unternehmensstrategie wird so in den operativen Beschäftigtenalltag eingebettet. Beim internen Einsatz können die SAP-Angestellten so schon mal hautnah spüren, was eine angestrebte Gewinnmarge von 35 Prozent für jeden einzelnen bedeutet. Auf dieses Problem hat auch der ehemalige IBM-"Cheftechnologe" Gunter Dueck in einer Stellungnahme gegenüber der Enquete-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft" des Deutschen Bundestages aufmerksam gemacht, in der er diese unsere Software und den gewollten "psychischen Druck durch Transparenz" in einem Atemzug nennt:

"Digitale Arbeit bedeutet einen revolutionär harten Schnitt in der Arbeitsorganisation, weil die von Arbeitnehmern geleistete Arbeit nun im Netz der Quantität und Qualität nach transparent messbar ist. Bislang gibt es noch viele Büroarbeitsplätze, bei denen man acht Stunden täglich sein bestes gibt oder bei denen man am Fließband mit den vorgegebenen Takt mithält. In der digitalisierten Welt sind die Arbeitsplätze vielfach ganz entkoppelt, jeder kann eher für sich selbst so viel leisten, wie er will oder vermag. Die großen Leistungsunterschiede zwischen Mitarbeitern werden immer transparenter. Dadurch entsteht ein bisher ungekannter psychischer Druck auf Führungskräfte und Arbeitnehmer, weil nun alle indirekt fast wie in der Fußballbundesliga ständig um Auf- und Abstieg kämpfen. Die ganze Burnout-Problematik entsteht genau hier! Die Führungskräfte und Mitarbeiter müssen neue soziale Umgangsformen entwickeln. Jeder muss wohl lernen, mit dem eigenen transparent sichtbaren Leistungsniveau psychisch ausgeglichen zu leben. Das wird derzeit durch aggressives Leistungsvergleichen zum Zwecke des Antreibens durch das Management aus ökonomischen Erwägungen heraus absichtlich verhindert. Man SOLL ja immer ein schlechtes Leistungsgewissen haben! Dieser immense psychische Druck steigt durch die Transparenz der digitalen Welt immer mehr an." (Dueck 2011, S. 8; Hervorhebung im Original) Zu ergänzen ist, dass solche Leistungsvergleiche auf der Basis erhöhter technischer Transparenz und Kontrollierbarkeit nicht nur in der Sphäre abhängiger Beschäftigung möglich und üblich sind - etwa mit der Software der im Dezember 2011 von SAP aufgekauften Firma "Success Factors" (vgl. Graf 2011) -, sondern auch in Auftraggeber-Auftragnehmer-Verhältnissen. Florian Rötzer (2009) berichtet z.B., dass eine von LiveOps ("the largest virtual call center in the world") verwendete Software "die Leistung der Mitarbeiter nach Kriterien [erfasst], die der jeweilige Auftraggeber des virtuellen Call Center festlegt und in Echtzeit ("complete visibility") kontrollieren kann. Wenn ein Kunde des Unternehmens beispielsweise wünscht, dass die Mitarbeiter Anrufer überreden sollen, weitere Produkte zu erwerben, dann werden den Mitarbeitern mehr Anrufe zugewiesen, die das am besten schaffen." [zitiert nach M. Schwemmle & P. Wedde (2012) "digitale Arbeit in Deutschland, Potenziale und Problemlagen", S.55 ]

Bis auf die Tatsache, dass wir in diesem Zusammenhang die "Leistungstransparenz" für eine Pseudotransparenz halten, teilen wir seinen Standpunkt.

Letzte Änderung: 25.07.2013


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