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IG Metall @ SAP

Informationen für Beschäftigte der SAP SE und der SAP Deutschland SE & Co. KG



Wir erinnern uns (10)

13.08.2013 Hat SAP eine "Gratifikationskrise"? Arbeitsanforderungen und -bedingungen, Arbeitsleistungen und die Gegenleistungen der Arbeitgeberin stehen in einem immer größeren Missverhältnis.

Eine gelebte Vertrauensarbeitszeit sollte immer zu mehr Souveränität über die eigene Arbeitszeit führen, besonders zu Freistellungsansprüchen und zum Mitentscheiden. Denn Vertrauen(sarbeitszeit) beruht letztendlich auf Gegenseitigkeit.

Doch scheint der Grundsatz verletzt zu sein. Arbeitsanforderungen und -bedingungen, Arbeitsleistungen und die Gegenleistungen der Arbeitgeberin stehen in einem immer größeren Missverhältnis. Schleichend stellt sich somit eine "Gratifikationskrise" ein:

Viel zu niedrig sind die fixen Mindest-Gehaltserhöhungen von knapp über einem Prozent, die in der Regel jährlich neu bestimmt werden. Überstunden gibt es in einer unternehmensorientierten Vertrauensarbeitzeit wie SAP nicht, entsprechend werden sie auch nicht vergütet, auch wenn eine 60-Stunden-Arbeitswoche vorliegt. Zudem werden die Zielvorgaben von der Arbeitgeberin so hoch gesetzt, dass die variablen Anteile für die Beschäftigen in keinem Verhältnis zu den willkürlich festgelegten "skandalösen" Millionen-Zahlungen an das Management stehen. Die Bezahlung ist für viele Beschäftigte somit ungerechter, unfairer und inflationsbereinigt weniger geworden. Es herrscht Willkür im System.

Dagegen verdienen die SAP-Kapitalgeber seit Jahren Milliarden durch unbezahlte Überstunden der Beschäftigten: eine moderne und zugleich uralte Form betrieblicher "Ausbeutungskultur". Allein der Aufsichtsratsvorsitzende erhielt für das Geschäftsjahr 2011 über 133 Mio. Euro Dividende. Ein Zeichen für ein immer größer werdendes Auseinanderdriften der sozialen Schere und ein Zeichen mangelnder Teilhabe der arbeitenden SAP-Beschäftigten am Unternehmenserfolg.

Aufgeblähte Boni, Gehälter, Prämien, Optionsgeschäfte, Abfindungsregelungen, Antrittsgelder, Rentenbezugsansprüche und Abgangsentschädigungen für die sog. Wirtschaftselite sind Ausdruck eines finanzmarktgetriebenen Turbokapitalismus und seines kurzfristigen, irrsinnigen Renditedenkens. Muss das (nicht arbeitende) Kapital immer rücksichtsloser gegen Gesundheit der Beschäftigten sein?

Die Beschäftigten verfügen oft nicht über den notwendigen Gestaltungsspielraum, um ihre Arbeitsaufgaben und -belastungen selbst zu beeinflussen. Nur das Ergebnis zählt. Notwendig wäre eine Wertschätzung von Erfahrungswissen, um die Kompetenzen der Beschäftigten zu erweitern. Allein die Einhaltung einer regelmäßigen, täglichen Arbeitszeit von acht Stunden wäre nachhaltig weniger belastend für die Menschen. Wir leben nicht auf einer Oase.

Letzte Änderung: 13.11.2017


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