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Tag und Nacht arbeiten

18.10.2013 Arbeitszeiten und Organisationsstrukturen bei SAP

In einem E-Mail an Tausende von Kolleginnen und Kollegen wünscht sich ein US-Vorstandsmitglied: "We are working day and night." JedeR weiss, dass solche vollmundigen Anweisungen nicht zu befolgen sind und gesetzliche Regelungen grob verletzen.

Es sind erst wenige Tage seit dem Abschluss einer Betriebsvereinbarung zur Regelung zu Rufbereitschaften und Wochenend-, Feiertag- und Nachtarbeit vergangen, da wird die vereinbarte Pauschalgenehmigung auch schon voll genutzt. Konkret wird vermehrt Wochenendarbeit und Rufbereitschaft angewiesen, natürlich "freiwillig": Im FIORI-Projekt, einem wichtigen Vorstandsprojekt, hat das Management geschrieben, dass nun an vielen Wochenenden gearbeitet werden soll. Wie immer sehr kurzfristig. Unklar war auch wieviele überhaupt gebraucht werden. Auch will das Management von den festgesetzten Deadlines nicht abrücken, sondern verschickt E-Mails mit der Aufforderung durchzuarbeiten. Schon jetzt sind Kollegen über ihre gesundheitlichen Grenzen beansprucht ...

Nicht zu vergessen die vielen Kolleginnen und Kollegen in anderen Bereichen wie zum Beispiel im Finanzbereich, Marketing, Veranstaltungsmanagement, in der Logistik, u.v.m. Leider arbeiten viele ohne jegliche Genehmigung - wie uns berichtet wird. Kolleginnen und Kollegen werden somit einem noch höheren Arbeits- und Termindruck ausgesetzt und sind gesundheitlich gefährdet. Wie meinte ein Kollege: "Privatleben habe ich nur zur Mittagspause."

Der Unmut wird immer größer.

Wieder und wieder wird um- und re-, raus- und reinorganisiert. Das ist nichts Neues. Neu ist auch nicht, dass immer schneller und mit wenig Beteiligung der Betroffenen exekutiert wird. Ein Beispiel im Personalbereich stellt eine radikale Methodik des Change Management vor:

Im Grunde wurde der Bereich Personal- und Organisationsentwicklung in der Personalabteilung aufgelöst, um die Strategie "weiter zu entwickeln". Von den betroffenen Kolleginnen und Kollegen dürfen nur noch sehr wenige in Zukunft ihren ursprünglichen Job ausüben, um zum Beispiel die laufenden Projekte und Programme zu Ende zu führen. Einige werden daher von Box A in eine neue Box B verschoben.

Doch mehr als 2/3 der Betroffenen werden nach einem bedenklichen Auswahlverfahren im "Hinterstübchen" der Personalverwaltung, neudeutsch: HR Business Partner, versetzt. Natürlich könnte er oder sie weiterhin den ursprünglichen Job behalten, wird gesagt. Nur wie lange und wie viel der Arbeitszeit wird es nach der Versetzung wirklich sein? Das wäre so ähnlich als wenn ein Schreiner innerhalb eines Jahres die Tätigkeit eines KFZ-Mechanikers beherrschen muss. Auffällig ist, dass die Betroffenen nach ihren Präferenzen befragt wurden, doch bei einem erheblichen Abbau von Jobs bleiben den Betroffenen nur sehr wenig Alternativen. In Deutschland soll zwar niemand "freigesetzt" werden, doch wie sieht es für Kolleginnen und Kollegen in anderen Ländern aus?

Erst in der Zukunft wird es Antworten auf folgende Fragen geben: Was bedeutet der Niedergang von Weiterbildung und Qualifizierung, die mangelnde Begleitung von Veränderungsprozessen und die fehlende Beratung bei Personal- und Organisationsentwicklung letztendlich für das Business? Warum wurden keine Jobangebote für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen ausgeschrieben? Die Möglichkeit hätte es in neu gegründeten HR-Bereichen gegeben. Werden die Aufgaben letztendlich ausgelagert? Es gibt Länder, die zahlen wesentlich weniger Gehalt - und es wird erzählt, dass dort bereits neue Stellen besetzt werden sollen. Oder steckt eine indirekte, versteckte Personalabbau- und Kostensparmaßnahme dahinter? Es herrscht zumindest eine allgemeine Verunsicherung.

Aussagen von Betroffenen zeigen ein düsteres Bild auf: "Das habe ich in meinem langen Berufsleben noch nicht erlebt.", "Klar bauen die unsere Jobs ab.", "Das ist keine Wertschätzung meiner Profession.", "Ich will meine Job-Funktion nicht verlieren", "Ich bin mehr als enttäuscht wie wir abgewickelt werden ...", "Personal- und Organisationsentwicklung ist am Ende ...";

Diese "Hammermethode" zeigt deutlich die wenig nachhaltige Unternehmenskultur auf. Eigentlich sollte die Personalabteilung bzw. HR Vorbild für faire und professionell durchgeführte Veränderungsprozesse sein, ist es aber anscheinend nicht. Auch wird an Weiterbildung und Qualifizierung auf Kosten der Beschäftigten massiv gespart. Ist das Nachhaltigkeit? Es fehlt offensichtlich eine strukturierte, prozessorientierte Personalentwicklung.

Letzte Änderung: 13.11.2017


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