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SAP Kulturwandel (1)

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18.12.2013 "Es ist kälter geworden"

Wie ist derzeit die Stimmung? Goldgräber- oder Angriffsstimmung, weitere "Säue durch"s Dorf treiben?" oder herrscht noch Verunsicherung durch eventuelle Hauptquartierverlagerung? Die wurde ja gönnerisch und in Eintracht vom Betriebsratsvorsitz und Vorstand für beendet verklärt. William, als alleiniger Vorstandschef, wird sich bald in der Nähe des Hauptsitzes in Deutschland niederlassen. Das haben auch schon andere Vorstandsmitglieder vor ihm getan, wie gnädig. Und jetzt wird auch noch kräftigt die deutsche Kultur von ihm gelobt. Noch gnädiger. Wir sind halt immer noch ein deutsches Unternehmen. Was würde HP, IBM, Microsoft, Oracle etc. wohl zu ihrer Identität sagen?

Eine Hiobsbotschaft folgt der anderen, der Charme der Datenwolke, das Produkt HANA knackt sogar die Milliardengrenze im vierten Quartal, Apps sollen Kassenschlager per se werden. Ein Kran schwenkt den Weihnachtsbaum 2013 vor das Hauptquartier in Walldorf/Baden, noch ungeschmückt, wie alle Jahre wieder. In den sich rasant ändernden Zeiten, ist jeder angehalten, sich auf Eigeninitiative in E-Learnings mit den innovativen Technologien zu befassen, permanent zu lernen, immer unter dem Motto "Speed". Für andere gehört die Arbeit mit der HANA, der Cloud oder Fiori-App-Entwicklung bereits zum täglichen Geschäft, gekennzeichnet durch hektischen Aktionismus, Re- und Umorganisationen. Im Projekt Fiori soll alles gleichzeitig gemacht werden, es regieren unrealistische Deadlines, ein Nicht-Liefern ist keine Option, Arbeitszeiten sind ausser Kraft gesetzt und ausufernd, Beschleunigung ein "alter Hut", ..., aber dann kommen Abstriche beim Jahresendgehalt, der Firmenwagen soll für uns teurer werden, ..., und nicht zu vergessen, wann kommt die nächste Belegschafts-Schelte vom Berater des Vorstands, dass wir zu langsam, unkreativ, ineffizient, typisch Deutsch, sind? "Hasso-Effekt" nannte es der Betriebsratsvorsitzende. Der Interims-Arbeitsdirektor und Finanzvorstand meinte zu ihm, dass sie doch garnicht so weit auseinander seien, bei all den negativen Rückmeldungen zur weltweiten Mitarbeiterbefragung.

Und was sagen die Analysten, die ihm im Nacken sitzen? Buy or Sell? Buy SAP Shares! Was meinte das Top-Management bei der herbsttrüben Mitarbeiterversammlung: Cloud sei mehr als Chance als Bedrohung zu sehen, andere Kulturen optimieren sich besser, wir Deutschen sind zu selbstkritisch und Walldorf steht nicht gegen den Rest der Welt. Doch die dramatischen, negativen Werte der Mitarbeiterbefragung gegenüber Vorstand bzw. Geschäftsführung konnte niemand einfach so wegwischen. Die stehen wie ein dicker Fels in der Brandung nun einfach so da - und sollen in die Neue Strategie im Januar durch die "Betroffenen" verkündet werden. Themen wie Gesundheit und Gehalt verschwinden dann sozusagen mit der putzigen "Wisch und Weg"-Methode. Kaum zu glauben, dass somit das verloren gegangene Vertrauen in den Vorstand besser wird. Bei fehlendem Vertrauen wird als Ersatz eine Kultur der Kontrolle zelebriert. Alte Systeme funktionieren immer noch: Bizarre Verantwortlichkeiten, Störgrößen in Führungs- und Organisationsstruktur - und "ewig grüßt das Murmeltier".

Woran liegt"s? Die Silos, damit sind wahrscheinlich die Vorstandsbereiche gemeint, sollen abgeschafft werden, um vernetzter in alle Ebenen zusammenzuarbeiten. Also doch wieder Reorganisationen. Gute Idee! Haben wir erkannt, dass man nicht Realtime auf den Markt reagieren kann? Haben wir etwa intern zu spät auf sich draußen ändernde Marktverhältnisse und Kundenwünsche reagiert? Wollen wir weiterhin schneller, besser, kundenfreundlicher mit neuen Benutzeroberflächen mehr Kunden erreichen? Dann sollten wir uns alle rechtzeitig, pro-aktiv, einfach, vernünftig und vorausschauend darauf vorbereiten. Es sind wohl Denk- und Lernprozessänderungen notwendig, um das Ziel zu erreichen, nicht nur über Struktur-Veränderungen. Das Kerngeschäft ist leicht rückläufig, da müssen wir uns intern neu aufstellen. Wir hoffen auf ein vernünftiges Change Management, das den Menschen berücksichtigt und nicht wie eine Schachfigur nur herumzuschieben vermag. Kein gutes Zeugnis für den "besten Arbeitgeber in der IT 2013" und vielen teuer erkauften Auszeichnungen, "Awards" genannt.

Was fehlt, ist eine nachhaltig mitarbeiterorientierte Personalpolitik und Unternehmenskultur.

Ein Kollege meinte, dass der Vorstand den Blick nach vorne verloren hätte. Na denn, bei einer "Immer-Weiter-So-Kultur.", wo's nur noch um die Extremrendite von 35% und den eigenen 100-Millionen-Bonus geht. Plötzlich meint der Vorstand: "Wir müssen eng zusammenarbeiten." Plötzlich, doch wer ist mit "Wir" gemeint?

Vorschau: SAP Kulturwandel (2) - "Es geht nur noch um's Geld"

Letzte Änderung: 18.12.2013


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