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Informationen für Beschäftigte der SAP SE und der SAP Deutschland SE & Co. KG



SAP Kulturwandel (3)

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27.12.2013 Hard Work No Happy

Eine Kollegin erzählt beim Tee über tägliche Hektik und Eskalationen in ihrem Bereich.

Alles muss sofort erledigt werden, Arbeitszeit ohne Grenzen, totale Erreichbarkeit, festgesetzte, unrealistische Terminvorgaben, Meetings an arbeitsfreien Tagen - klar vor den Feiertagen muss noch alles erledigt werden, um an die Stakeholder "grüne Ampeln" zu melden. Bei Vollzeitbeschäftigten gilt dann eine 40(++)-Stunden-Woche, natürlich nicht angeordnet und unbezahlt, bei Teilzeitkräften entsprechend dem Beschäftigungsgrad (++) mehr. Familie, Freunde, Kinder, Nachbarn wundern sich wie alle Jahre wieder über diese Arbeitskultur, ohne Rücksicht und ohne klare Regeln. Warnhinweise und Ausfälle von Kollegen werden ignoriert. Der Aufsichtsratsvorsitzende gibt dem Management harte Deadlines vor, die exekutiert werden - es muss geliefert werden, und die Beschäftigten haben flexibel zu funktionieren.

Ein Kollege fragte nach, wieso der Aufsichtsratsvorsitzende jeden Sonntag einen Report haben will, das sei doch überhaupt nicht seine Aufgabe. Er sollte besser den überforderten Vorstand kontrollieren und realistische Ziele mit genügend Personal und Arbeitsmittel gewährleisten. Denen ist doch egal, wenn unsere Gesundheit drauf geht. Die Manager werden z.B. im Handelsblatt um ihre Leistung geehrt, nie ist die Rede von uns SAPlern, die schließlich auch schaffen!

Vorstände sollen 15 Millionen/Jahr erhalten. Kapitalgeber erhalten höhere Dividendenausschüttungen und wir werden wiederholt mit einem Inflationsausgleich nach dem Minimalprinzip abgespeist. Einerseits schwelgt man wie Dagobert Duck im Geldspeicher, andererseits wird gespart. De facto haben wir einen unterdurchschnittlichen Stundenlohn, da freiwillig geleistete Überstunden mit viel Druck abgefordert, und meistens nicht bezahlt werden. Da bekommt der eine oder andere schon mal eine Krise: Gesundheit hinüber, Partnerschaft naja und dann noch die psychische Belastung durch zu viel Arbeitslast.

Soziologen bezeichnen unser Tagesgeschäft bei SAP als harte Bewährung.

Zitate:

"Ich laufe nur noch am Krückstock, keine Zeit zum Atmen, irgendwann erwischt es auch mich, dann bin ich erst einmal weg, das ist meine einzige Chance. Hoffentlich ist bald Weihnachten."

"Speed nimmt keine Rücksicht. Wer da keinen guten Chef hat ..."

"Teilzeit ist wirklich kein Vergnügen. Als Vollzeitkraft hatte ich mehr Freiräume und musste nicht immer unter Dauerstress arbeiten. Für Weiterbildung habe ich keine Möglichkeiten, da wird nur gesagt: kein Budget"

"Meine vier Stunden sind extrem vollgepackt, da muss ich manchmal Abends sozusagen nacharbeiten. Dafür gibt's dann nicht mal eine angemessene Anerkennung. Hauptsache die Kundenmeldungen sind asap abgearbeitet, da schaut niemand auf meine wirkliche Arbeitszeit. Mein Management belächelt Teilzeitler nur abfällig. Wenn die zu Hause genauso mit ihren Partnerinnen umgehen... Das ist doch eine klare Diskriminierung."

"Bezahlt werde ich viel schlechter als meine männlichen Kollegen mit denselben Aufgaben. Das sehe ich auf der Gehaltsabrechnung meines Partners, der auch bei SAP arbeitet."

"Der Preis für meine Karriere als Teilzeitkraft ist sehr hoch. Andauernd stehe ich zwischen den Anforderungen im Job und den Verpflichtungen für meine Familie. Mein schlechtes Gewissen gegenüber der Familie, mein schlechtes Gewissen gegenüber den Kollegen. Ich habe mich entschieden: für die Familie, gegen die Karriere."

"Als alleinerziehender Vater habe ich eigentlich feste Arbeitszeiten, aber oft komme ich unter Zeitdruck, weil kurzfristig etwas reinkommt und es sofort bearbeitet werden soll. Zu Hause wartet inzwischen mein Kind vor der Haustür, das stresst mich total."

"Jetzt soll ich einen Abfindungsvertrag unterschreiben, weil man nicht mehr weiß, wo ich eingesetzt werden soll. Ich vermute jedoch, dass ich als alleinerziehende Mutter mit meiner zeitlichen Einschränkung und weil ich nicht permanent erreichbar bin, gehen soll. In meinem Bereich sollen Kosten gespart werden."

"Als junge Mutter habe ich gerade gekündigt. Meine neue Personalmanagerin meinte, dass sie mich nicht braucht, obwohl ich seit mehr als zehn Jahren in dem Bereich arbeite. Der Druck wurde mir zu groß. Ich gebe auf. Ich bin nicht die einzige Kollegin."

"Mein Manager zeigt kein Respekt vor Teilzeitkräften und äußert sich despektierlich."

"Als Teilzeitkraft bekommt man in der Regel den 'Restmüll' für den sich die Vollzeitkollegen zu schade sind. Projekte, die lukrativ sind und für Sichtbarkeit sowie Aufstiegsmöglichkeiten sorgen, werden lediglich an (männliche) Seilschaften vergeben."

Auch bei SAP ist Teilzeit ein Feld für Niedriglohnbeschäftigte, nicht nur weil der reale Stundenlohn durch unbezahlte Überstunden bei Abend-, Nacht- und Wochenendarbeit, ständiger Erreichbarkeit erschreckend niedrig ist.

Jetzt gibt es eine Gefährdungsbeurteilung. Die Verantwortlichen sollten schnellstmöglich die Beschleunigungsmaschinerie stoppen, sonst erreicht kaum jemand das gesetzlich vorgeschriebene Rentenalter gesund!

Vorschau: SAP Kulturwandel (4) - Gutes Tun - Der Mythos Nachhaltigkeit

Letzte Änderung: 27.12.2013


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