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IG Metall @ SAP

Informationen für Beschäftigte der SAP SE und der SAP Deutschland SE & Co. KG



Die dunklen Schatten des Erfolgs (5)

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26.12.2013 "Du bist verantwortlich"

"Wie gut das Unternehmen diese Prioritäten umsetzen kann, liegt an jedem Einzelnen von uns. Jeder in unserem Team kann mit voller Kraft dazu beitragen, dass wir unserem Ziel näher kommen. Um das mit Schnelligkeit und Beweglichkeit zu erreichen, haben wir folgende organisatorische Änderungen beschlossen...". Dann folgen diverse Reorganisationen zum Jahresanfang und der aufschlussreiche Hinweis: "Änderungen sichern uns einen schnellen Start 2013." Für Erholung und Regeneration ist weder Raum noch Zeit, denn: "Wir werden überall Kosten zurückfahren" und: "Wir werden nicht mehr so viel neue Mitarbeiter einstellen". Das sind Vorstandsankündigungen, die eine weiter steigende Arbeitsverdichtung und -intensität für die Beschäftigten bedeuten.

Doch wer zahlt für diese "Hochgeschwindigkeits- und Höchstleistungskultur" den Preis? Oder gibt es wirklich ein zeitlich entgrenztes "Spitzensportlerleben" im Betrieb? Neben den geschönten Ergebnisdarstellungen von Mitarbeiterbefragungen, die den Eindruck einer allzu heilen Arbeitswelt vermitteln, gibt es gravierende Schattenseiten des Unternehmenserfolgs bei SAP im nordbadischen Walldorf. Die Gesundheit der Beschäftigten, deren Durchschnittsalter in Deutschland bei über 40 Jahren liegt, befindet sich in einer bedenklichen Schieflage. Der Druck des Managements und die Vorgaben des Aufsichtsratsvorsitzenden, Haupteigentümers und "Cheftechnikers" Hasso Plattner zeigen ihre verheerende Wirkung. Wieder nehmen sich Beschäftigte Auszeiten, um sich vor Erschöpfungszuständen und exzessiven Belastungsrisiken zu schützen oder vom erhöhten Verschleiß zu erholen. Wieder hat sich die Anzahl arbeitsbedingter Langzeiterkrankungen bedenklich erhöht. Wieder sind Kolleginnen und Kollegen über die Feiertage früh verstorben.

Die Arbeit muss immer schneller fertig werden. Tag und Nacht gehen Anrufe auf dem Smartphone ein, Konferenzen finden zu unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten in verschiedenen Zeitzonen statt, SMS und Emails sind "zeitnah" zu checken, zugleich gibt es Meetings mit KollegInnen, mehrere Projekte werden parallel verfolgt, vorgegebene Ziele und Deadlines sind einzuhalten - und am besten sind die Beschäftigten immer erreichbar und zeitgleich in den sogenannten "sozialen Medien" aktiv. Natürlich werden frühzeitige Erledigung und ein perfektes Arbeitsergebnis erwartet. Schwächen und Erkrankungen sind dabei nicht einkalkuliert.

Diese Arbeitsweise geht an die Substanz der Menschen. Da ist die Katastrophe oftmals nah - weil knapp geplante Projekte platzen oder Beschäftigte nicht mehr können. Jeder will sein Bestes geben, im Unternehmen und privat. Doch der immense Leistungs- und Erwartungsdruck ist wie ein Sog, dem niemand entkommt, auch am Feierabend, in der Nacht und am Wochenende nicht. Denn wenn zum Beispiel der "Cheftechniker" Ergebnisse bis zum Montag erwartet, gibt es für viele Beschäftigte am Wochenende keine Freizeit. Gesetzliche Regelungen ignoriert er. In einem Zeitungsinterview im Sommer 2013 beklagt er die deutsche Mitbestimmung, besonders Arbeitszeit- und Betriebsverfassungsgesetz sind ihm ein Dorn im Auge. Arbeitnehmerrechte will er nur für seine Interessen nutzbar machen.

In Zukunft setzt H. Plattner einen US-Amerikaner als alleinige Vorstandsspitze ein. Ausgeprägter angloamerikanischer Führungsstil mit bedenklichen Umgangsformen verspüren die Beschäftigten beim deutschen Weltmarktführer für Unternehmenssoftware seit Jahren ... Nach Auskunft einer Kollegin im Vertrieb hat er angewiesen, dass Vertriebsleiter aggressiver zu den Beschäftigten sein sollen. Dauerdruck und -stress treiben Beschäftigte in Auszeiten, Kündigungen und Krankheiten.

Letzte Änderung: 24.12.2013


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