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IG Metall @ SAP

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Die dunklen Schatten des Erfolgs (9)

04.01.2014 "Bleib stark"

Oftmals sind psychiatrische und therapeutische Einrichtungen die letzte Hilfemöglichkeit für Betroffene, die unter Burnout, Depressionen oder Angststörungen leiden. Sie können am Arbeitsplatz und im Unternehmen wenig mit Unterstützung, Verständnis und Hilfe rechnen. Längst wird auch über arbeitsbedingte Suizide gemunkelt, auch wenn dazu bisher konkrete Erkenntnisse und Zahlen fehlen.

Das unternehmensinterne Gesundheitswesen definiert SAP als ein "im Kern nachhaltig gesundes und erfolgreiches Unternehmen". Angesichts Hunderter von Langzeitkranken muss dies "nachhaltig" bezweifelt werden. Darüber hinaus versteht sich das Gesundheitswesen als verlängerter Arm der Arbeitgeberin und Erfüllungsgehilfe im betriebswirtschaftlichen Sinne: "Das Thema der Zukunft ist jedoch nicht das Messen der physischen Abwesenheit (Absentismus), sondern die Frage, wie viel Produktivität dadurch verloren geht, dass Mitarbeiter dem Unternehmen nicht ihr volles Potenzial zur Verfügung stellen können (Präsentismus)." Tatsächliche Sozialpartnerschaft definiert sich anders, denn Stress ist keine rein persönliche Verhaltensreaktion. Statt verhaltensbezogener Maßnahmen bedarf es einer verstärkten Verhältnisprävention, das heißt: Die krankmachende betriebliche Realität muss verändert werden.

Für das SAP-Gesundheitswesen stehen die psychomentalen Belastungen im Hochleistungsumfeld im Vordergrund. Dramatisch: Allein in Deutschland sind im Jahr 2012 über 1.000 Langzeitkranke im Betrieblichen Eingliederungsmanagement als "Neufälle" dazu gekommen. Von einer nachhaltigen, sozialen Entwicklung kann anhand dieser Entwicklung kaum gesprochen werden, außer in aufbereiteten Marketingbroschüren. Die Chefin des Gesundheitswesens verkündet als Themenbotschafterin der INQA-Initiative eine verzerrte Realität: "Trotz steigendem Durchschnittsalter bei SAP ist es gelungen den relativen Anteil der langzeiterkrankten Mitarbeiter in den letzten drei Jahren stabil auf niedrigem Niveau zu halten." Wie zynisch.

Die Arbeitgeberin leugnet die Verantwortung, die Antreiberin und Ursache für psychische Probleme, Burnout mit Angstzuständen, Panikattacken und Selbstmordgedanken zu sein:

"Eigentlich kann ich nicht mehr. Der Druck in den Projekten ist immer am oberen Level. Kaum Zeit zum Verschnaufen und für kreative Phasen. Und dann noch eine Leistungsbewertung von sage und schreibe nur 105 Prozent und einer Deckelung des Erfolgsbonus auf knapp über 80 Prozent. Da bekomme ich eine richtige Krise. Das habe ich auch meinem Manager gesagt und der meinte, das ist halt so vorgegeben, da kann er überhaupt nichts machen. Ich weiß natürlich von Kollegen, dass sie mehr als 130 Prozent Zielerreichung bekommen haben. Das haben sie auch verdient, doch ich zahle durch die Deckelung richtig drauf. Der Vorstand setzt die Ziele viel zu hoch und begrenzt den Bonustopf, und sorgt für noch mehr Ungerechtigkeit bei der Bezahlung und demotiviert gleichzeitig nachhaltig."

Die flexiblen Arbeitseinsätze, die überzogenen Arbeitsanforderungen und die Höchstleistungskultur - ohne Entlastungsregeln - bewirken, dass Menschen ihre Leistungsgrenzen permanent überschreiten. Viele Ärzte und Therapeuten warnen vor der Entwicklung und sprechen von stark veränderten Krankheitsbildern bei allen Altersgruppen.

Zum Beispiel melden Schwerbehinderte ihren Status nicht, weil die Betroffenen Nachteile für ihre berufliche Entwicklung oder Sanktionen befürchten. Junge Menschen, Zeitarbeitskräfte oder Beschäftigte mit Werkverträgen arbeiten oftmals unter prekären Bedingungen, in der Hoffnung, dass sich daraus irgendwann einmal eine Festanstellung ergibt. SAP fördert die Entwicklung zum "kranken Unternehmen", wie es eine Kollegin sagte.

Letzte Änderung: 04.01.2014


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