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Die dunklen Schatten des Erfolgs (8)

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03.01.2014 Von wegen gleichberechtigt (II)

Teilzeit ist nicht Teilzeit

Ungleichbehandlung erleben Frauen nicht nur in der Gesellschaft, Ungleichbehandlung erleben sie auch im Unternehmen: Frauen haben schlechtere Aufstiegschancen und oftmals schlechtere Arbeitsbedingungen. Bei SAP sind Teilzeitkräfte hauptsächlich weiblich. Das hat sicherlich oftmals familiäre Hintergründe. Auf den Hochglanzbroschüren und in den Medien kann man immer wieder nachlesen, dass SAP klar für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie steht, nur leider sieht das in der gelebten Praxis widersprüchlich aus:

Niedrigere Bezahlung als ihre männlichen Kollegen, Stress wegen flexiblen Arbeitseinsatzes, diskriminierende Anmache, Forderungen nach permanenter Erreichbarkeit, unterdurchschnittlichere Leistungsbewertung, "Karrierknick" wegen Kinder oder/und Teilzeit, so lauten die Kolleginnen-Klagen. Obendrein müssen sie sich auch noch Beschimpfungen wie "Rabenmutter" oder "die will doch eigentlich gar nicht arbeiten" anhören. Einige Aussagen von Betroffenen belegen die Schieflage und den Mangel an "Leitplanken" bei SAP:

I. "Teilzeit ist wirklich kein Vergnügen. Als Vollzeitkraft hatte ich viel mehr Freiräume und musste nicht immer unter Dauerstress arbeiten ... und für Weiterbildung habe ich keine Möglichkeiten, da wird nur gesagt 'kein Budget' ..."

II. "Meine vier Stunden sind extrem vollgepackt, da muss ich manchmal Abends sozusagen nacharbeiten. Dafür gibt's dann nicht mal eine angemessene Anerkennung. Hauptsache die Kundenmeldungen sind asap abgearbeitet, da schaut niemand auf meine wirkliche Arbeitszeit. Mein Management belächelt Teilzeitler nur abfällig. Wenn die zu Hause genauso mit ihren Partnerinnen umgehen ... Das ist doch eine klare Diskriminierung."

III. "Bezahlt werde ich viel schlechter als meine männlichen Kollegen mit denselben Aufgaben. Das sehe ich auf der Gehaltsabrechnung meines Partners, der auch bei SAP arbeitet."

IV. "Der Preis für meine Karriere als Teilzeitkraft ist sehr hoch. Andauernd stehe ich zwischen den Anforderungen im Job und den Verpflichtungen für meine Familie. Mein schlechtes Gewissen gegenüber der Familie, mein schlechtes Gewissen gegenüber den Kollegen. Ich habe mich entschieden: für die Familie, gegen die Karriere."

V. "Als alleinerziehender Vater habe ich eigentlich feste Arbeitszeiten, aber oft komme ich unter Zeitdruck, weil kurzfristig etwas reinkommt und es sofort bearbeitet werden soll. Zu Hause wartet inzwischen mein Kind vor der Haustür, das stresst mich total."

VI. "Jetzt soll ich einen Abfindungsvertrag unterschreiben, weil man nicht mehr weiß, wo ich eingesetzt werden soll. Ich vermute jedoch, dass ich als alleinerziehende Mutter mit meiner zeitlichen Einschränkung und weil ich nicht permanent erreichbar bin, gehen soll. In meinem Bereich sollen Kosten gespart werden."

VII. "Als junge Mutter habe ich gerade gekündigt. Meine neue Personalmanagerin meinte, dass sie mich nicht braucht, obwohl ich seit mehr als zehn Jahren in dem Bereich arbeite. Der Druck wurde mir zu groß. Ich gebe auf. Ich bin nicht die einzige Kollegin."

VIII. "Als Teilzeitkraft bekommt man in der Regel den 'Restmüll' für den sich die Vollzeitkollegen zu schade sind. Projekte, die lukrativ sind und für Sichtbarkeit sowie Aufstiegsmöglichkeiten sorgen, werden lediglich an (männliche) Seilschaften vergeben."

Auch bei SAP ist Teilzeit ein Feld für Niedriglohnbeschäftigte, nicht nur weil der reale Stundenlohn durch unbezahlte Überstunden bei Abend-, Nacht- und Wochenendarbeit erschreckend niedrig ist.

Neben der Verwirklichung von Chancengerechtigkeit müssen wir besonders die Verteilungsgerechtigkeit im Blick behalten. Soziale Gerechtigkeit heißt aber auch Möglichkeiten der Weiterbildung und Weiterentwicklung sowie qualitativer Arbeit für alle - und eine Teilhabegerechtigkeit, also die persönliche Freiheit in Form von Selbstbestimmung anstatt autoritärer Fremdbestimmung.

Ein Scheitern ist oftmals vorprogrammiert:

Eine aktuelle TK-Bericht zeigt, dass vor allem diejenigen unter psychischen Belastungen leiden, die befristet, in Teilzeit oder in Leiharbeit beschäftigt sind, sowie diejenigen, die durch Familie und Beruf mehrere Rollen gleichzeitig ausfüllen müssen. Auch wurde festgestellt, dass viele Beschäftigte nicht freiwillig in Teilzeit arbeiten, sondern weil ihnen nicht mehr angeboten wird oder weil sie eine längere Arbeitszeit nicht mit ihren familiären Verpflichtungen vereinbaren können.

Alles nicht unbekannt in der SAP-Arbeitswelt.

Letzte Änderung: 01.01.2014


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