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IG Metall @ SAP

Informationen für Beschäftigte der SAP SE und der SAP Deutschland SE & Co. KG



Simplify & Optimize

IG Metall @ ITK - Unsere Branche - Unsere Gewerkschaft

31.07.2014 Komplexität bei Kunden und bei sich selbst sei nun der ultimative Gegner von SAP, so SAPs CEO Bill McDermott. Und begegnet wird ihm - wie sonst - mit einer Reorganisation: "Simplify & Optimize"!

Bei avisierten 6 Mrd. EUR Gewinn sollen ca. 2000 Beschäftigte weltweit ab- und andere 3000 weltweit aufgebaut werden. In Deutschland sollen ca. 300 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren. Der bisher geplante Aufbau fällt für Deutschland eher dünn aus. Damit sind eher Irland, Indien und China gemeint.

Den Beschäftigten gegenüber wurde dieser Schritt auch mit dem Ergebnis der Mitarbeiterumfrage begründet: Sie hätten ja selbst über Jahre hinweg beklagt, SAP sei zu komplex und mache zu viel doppelt.

SAP hat den Betroffenen von ihrer Identifizierung bis zu ihrem Ausscheiden auf englisch " the highest possible standards of respect and fairness" und auf deutsch "größtmöglichen Respekt" zugesichert. Ganz sicher keine Rolle bei der Auswahl der Positionen würden Leistung, Gehalt, Teilzeit oder Krankheit spielen. Stattdessen ginge es allein um Mitarbeiter, die an Themen arbeiten, die gestoppt oder in andere Bereiche/Teams verschoben werden und/oder deren "Skill-set" in Hinblick auf den zukünftigen Bedarf in strategischen Bereichen nicht mehr passen. Was bedeutet dieser Sprech in der Realität?

Er bedeutet, dass bisher keine Angebote an Betriebsrat oder gar KollegInnen zur Weiterqualifikation wenigstens eines Teils der Beschäftigten herangetragen wurden. Er bedeutet weiterhin, dass manche Bereiche z.T. deutlich unterdurchschnittlich betroffen sind, während in anderen bis zu 10% "betroffener Positionen" abgebaut werden müssen. Insgesamt macht die ganze Reorganisation einen sehr chaotischen Eindruck. Jeder Vorstandsbereich wurde isoliert beauftragt, nach welchen Kriterien auch immer, eine wahrscheinlich vorgegebene Quote von Beschäftigten abzubauen. Die Verbindung zu anderen strategischen Veränderungen innerhalb der Organisation bleibt völlig im Dunkeln.

Es verwundert daher nicht, dass in einer elektronischen Schnellumfrage des Betriebsrats 75% der ca. 700 Teilnehmer die Aussage, "Ich vertraue dem SAP Vorstand hinsichtlich Simplify & Optimze" ablehnten und nur ca. 12% ihr zustimmten.

Im Ausland wurde schon "exekutiert" und reihenweise auch langjährige Beschäftigte einfach auf die Straße gesetzt. SAP hat sich die beiden Länder mit starker Mitbestimmung, Frankreich und Deutschland, für den Schluss aufgehoben. In Deutschland hat der Betriebsrat der SAP SE aufgrund der starken Betonung des Transformationsaspektes hin zu einer "Cloud"-Firma eine Betriebsänderung festgestellt und verhandelt nun mit dem Arbeitgeber über einen Interessenausgleich (die Maßnahme selbst) und den Sozialplan (den Nachteilsausgleich). Das bedeutet auch, dass jedwede Umsetzung erst stattfinden darf, nachdem die Verhandlungen zum Interessenausgleich entweder abgeschlossen wurden oder in einer Einigungsstelle gescheitert sind.

Auf der Betriebsversammlung vom 29.7.2014 nannte der Betriebsrat erstmals die Bereichs-spezifischen Planzahlen des Arbeitgebers. Es wurde zunächst deutlich, dass auch aus Arbeitgebersicht der zunächst von ihm avisierte Zeitplan mit Umsetzung ab August nicht einzuhalten ist. Den Befürchtungen des Betriebsrats der SAP SE, dass die jetzige Reorganisation der Einstieg in eine für SAP neue Form des ständigen Personalum- und abbaus ist, hat der Arbeitgeber auf explizite Nachfrage nicht widersprochen, auch wenn er betonte, dass auch aus seiner Sicht für die Mehrzahl der Betroffenen sich innerhalb der SAP eine neue Stelle finden werde, je entwicklungsnäher, desto einfacher. Letztlich wurde nicht klar, warum SAP ihrer Verantwortung auch für langjährige Mitarbeiter eine klare Perspektive anzubieten, nicht gerecht werden will. Das Topmanagement schiebt hier den schwarzen Peter der Mitarbeiter-Identifizierung dem unteren Management zu als dessen natürliche Verantwortung, sie würden ja auch etwa für Einstellungen oder Weiterentwicklung der Mitarbeiter Verantwortung tragen. - Gleichzeit musste der Arbeitgeber aber zugeben, dass die Entscheidungen, welche Positionen zu eliminieren seien, ohne diese unteren Manager getroffen wurden. Den Ausführungen des Arbeitgebers zur Notwendigkeit der Veränderungen bei SAP hat der Betriebsrat nicht widersprochen, die wesentliche Frage aber ist: Zu welchen Bedingungen für die Beschäftigten - angeblich ja der wertvollste Teil des Unternehmens - wird das geschehen?

Wir glauben, dass diese Frage mit einem höheren gewerkschaftlichen Organisationsgrad und einer damit einhergehenden stärkeren Interessenvertretung für die Beschäftigten deutlich positiver beantwortet würde.

Letzte Änderung: 31.07.2014


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