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IG Metall @ SAP

Informationen für Beschäftigte der SAP SE und der SAP Deutschland SE & Co. KG



Die Presse im Endspurt

Betriebsrat oder Geheimrat?

19.06.2006 Am kommenden Mittwoch, 21.6.2006 ist erstmalig in der Geschichte Betriebsratswahl bei der SAP AG in Walldorf und in St. Leon-Rot

Langsam erwacht auch wieder die Presse. Immerhin ist an diesem Mittwoch erstmals Betriebsratswahl bei der SAP AG - aber, anders als in anderen Betrieben, scheint in der SAP AG alles ganz ruhig zu sein - von außen betrachtet. Die Medien zeigen sich überrascht, dass Flugblätter, Internetauftritte, Pressekonferenzen, also die typischen Begleiterscheinungen der Betriebsratswahlen anderer Großkonzerne, diesmal nicht geboten werden. Dabei sind über 10.700 SAP-MitarbeiterInnen im gesamten Bundesgebiet wahlberechtigt: Ist die SAP AG ein "schwarzes Loch"?

Wenn die Medien schon mal Interesse zeigen ...
Naja, es ist unüblich, dass sich überhaupt ein Journalist für eine Betriebsratswahl interessiert, deswegen ist vielen Journalisten auch diese Materie so fremd. Aber bei SAP ist eine BR-Wahl eben schon ein Renner für die Medien. Wo gibt es einen vergleichbaren Großkonzern ohne Betriebsrat? 34 Jahre lang Enthaltsamkeit und jetzt von NULL auf HUNDERT. Immerhin kandidieren jetzt ca. 400 MitarbeiterInnen für die 37 BR-Mandate. Das macht SAP für die Medien interessant.

Und dann das: Wenn externe Medienvertreter schon Mal ein Flugblatt ergattern, dann finden sie kaum mehr als Allgemeinplätze. Den Faltblättern ist häufig nur wenig Konkretes zu entnehmen. Rückfragen laufen ins Leere, wenn Kontaktdaten gänzlich fehlen oder im Impressum nur ein Name eingetragen ist. Und wenn man gar eine URL einer Internetseite aufspürt, dann muss man darin als Externer prompt lesen: " This website was set up for the works council election and can be accessed only from the companys network ". Also bleibt als einzige Informationsquelle doch nur der Internetauftritt www.pro-br.de bzw. https://www.promitbestimmung.de (Liste 10: Pro Betriebsrat) oder gar www.sap.igm.de.

Der Betriebsrat ist kein Geheimrat - siehe Linkliste unten

Betriebsrat oder Geheimrat?
Alle anderen Listen und BR-Wahlbewerber bei SAP schweigen ungewöhnlich intensiv und hartnäckig. Nur die SAP-Vorstandsmitglieder, Firmenmitbegründer und Analysten nehmen in aller Öffentlichkeit Stellung - verkehrte Welt. Jounalisten fragen sich, warum sie von anderen Listen so gut wie nichts erfahren - in anderen Unternehmen wird weitaus weniger gemnauert. Wie soll die Presse objektiv und fehlerfrei berichten, wenn sich die Wahlbewerber derart bedeckt halten? Die Aufgabe des Journalismus ist, eine öffentliche Meinung zu allg. Themen zu erzeugen. Eine BR-Wahl ist ein öffentliches Thema, auch wenn die Wahl selbst innerbetrieblich abläuft. Ein Betriebsrat wird sich in der Praxis häufig an öffentliche Einrichtungen wenden müssen, um innerbetriebliche Konflikte zu regeln. Tut er dies nicht, bleibt er weit unter seinen Möglichkeiten. Die Belegschaft hat von einem Geheimrat nichts zu erwarten. Der kostet nur und bringt nichts.

Schon Brecht thematierte: "Maßnahmen gegen die Gewalt"

Arbeitnehmer oder Bürger oder beides?
Jeder Arbeitnehmer ist nicht nur Arbeitnehmer: er ist und bleibt auch während der Arbeitszeit Bürger seines Landes (also Bürger Deutschlands wenn er deutscher Bürger ist). Und wenn Arbeitnehmer und "Bürger sein" sich gegenseitig behindern, weil es die Mächtigen im Unternehmen nicht so genau nehmen mit den deutschen Gesetzen, gibt es Konflikte - notwendige Konflikte. Konkret: Wenn also bestehende SAP-Regelungen wie z.B. die SAP-Geschäftsgrundsätze mit den "Rechten der ArbeitnehmerInnen aus dem Betriebsverfassungsgesetz" (z.B. die Gründung eines Betriebsrats bei der SAP AG) nicht kompatibel erscheinen, obwohl das Gesetz einen BR verlangt und die dafür erforderliche Öffentlichkeitsarbeit schützt, dann heißt es mutig sein. Es reicht nicht, nur so zu tun als ob. Bei gesellschaftlichen Konflikten sollte man nicht wegtauchen, sondern nach Ausgleich der Interessen suchen. Meinungsfreiheit hat doch nur Sinn, wenn man eine Meinung hat und seine Meinung auch sagt. Demokratie ist kein Ergebnis, sondern ein ständiger Prozess der aktiven Teilhabe jedes Einzelnen oder organisisierter Gruppen an den gesellschaftlichen Entscheidungen. Erst wenn die Bürger dies verstanden haben, geht es der Gesellschaft besser. SAP ist ein Teil der Gesellschaft (nicht umgekehrt).

Letzte Änderung: 28.07.2008


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