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IG Metall @ SAP

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30.10.2006 Betriebsräte sind nicht zwangsläufig gewerkschaftsnah

Unter diesem Titel versucht die Stuttgarter Zeitung am 28.10.06 die Einstellung der neu gewählten Betriebsratsmitglieder zu beleuchten. Der Blick auf die aktuelle Arbeitswelt scheint dabei aber manchmal von einer sehr entrückten, praxisfernen Position aus zu erfolgen. Dies führt dann dazu, dass mitunter sehr merkwürdige "Gegensätze" konstruiert werden. So heißt es z.B. "Betriebsräte sind nicht zwangsläufig gewerkschaftsnah - auch Querdenker engagieren sich". Sind Betriebsratsmitglieder, die gewerkschaftlich organisiert sind, von Haus aus keine Querdenker? Gerade in der wissensbasierten Industriegesellschaft von heute kommt es darauf an, seine Gedanken und seinen Gestaltungswillen nicht nur als abhängiger Arbeitnehmer auf die geschäftlichen Abläufe zu richten. Mehr denn je brauchen wir kritische Geister, wenn wir den alltäglichen Herausforderungen in der Betriebsratsarbeit gewachsen sein wollen.

Freiwillig!
Und seit wann wäre die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft zwangsweise vorgeschrieben? Der Zwang steckt doch immer noch im Arbeitnehmerdasein: Arbeitnehmer ist nach der Definition des Bundesarbeitsgerichts, "wer auf Grund eines privatrechtlichen Vertrags im Dienste eines anderen zur Leistung weisungsgebundener fremdbestimmter Arbeit in persönlicher Abhängigkeit verpflichtet ist." Einzig und allein, um diesem Weisungsrecht Paroli bieten zu können, um seine Abhängigkeit vom Management zu mildern, schließen sich ArbeitnehmerInnen in Gewerkschaften zusammen - freiwillig! Und Betriebsratsmitglieder wissen es zu schätzen, wenn über die wirkungsvolle Umsetzung des Betriebsverfassungsgesetzes nicht nur gerätselt, sondern fachlich gut beraten wird. Die Gewerkschaften verbinden die Arbeitnehmererfahrungen unterschiedlicher Betriebe und erlauben somit den notwendigen Blick über den Tellerrand. Überhaupt scheint einigen Journalisten und Wissenschaftlern die Definition einer Gewerkschaft schwer zu fallen:

Was ist eine Gewerkschaft?
"Gewerkschaften sind demokratische Vereinigungen von Arbeitnehmern, die sich zur Wahrung ihrer gemeinsamen Arbeitnehmerinteressen freiwillig und auf Dauer zusammengeschlossen haben, unabhängig von politischen Parteien, Kirchen, Staat und Gegenseite (d.h. Arbeitgeberseite), bereit und fähig, die Interessen ihrer Mitglieder nötigenfalls mit Kampfmaßnahmen zu verfolgen." (Auszüge aus höchstrichterlicher, deutscher Rechtsprechung).

In dieser Definition steckt das Wort "freiwillig" drin, egal ob sich ein Gewerkschaftsmitglied zusätzlich für Betriebsratsarbeit engagiert oder nicht. Die IG Metall ist auch sehr stolz darauf, bei der Betriebsratswahl 2006 wieder ihren außerordentlich hohen Organisationsgrad von 73 Prozent in den Betriebsräten der Metall-, Elektro- und ITK-Industrie, des Metallhandwerks, der Textil- und Bekleidungsindustrie sowie der Holz- und Kunststoffindustrie gehalten zu haben. Dabei sind gewerkschaftlich organisierte Mitglieder, also auch Betriebsratsmitglieder, stets freiwillig organisierte und frei denkende ArbeitnehmerInnen. 2,4 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben sich in der IG Metall freiwillig zusammengeschlossen, um über die Gestaltung der Arbeitswelt nicht nur "zu reden", sondern auch "tatkräftig mitzubestimmen".
Wer die Tageszeitungen aufschlägt und liest, wie oft die zahlreichen Arbeitgeberverbände ihre Meinungen kundtun, um die Rahmenbedingungen zu ihren Gunsten politisch zu beeinflussen, den kann es nicht wundern, wenn sich die ArbeitnehmervertreterInnen in Gewerkschaften zusammenzuschließen, um die Interessen der ArbeitnehmerInnen effektiver vertreten zu können.

Wer ist ideologiefrei?
Die in dem StZ-Artikel vom Zentrum europäischer Wirtschaftsforschung angebotene Unterscheidung der Betriebsratsmitglieder: "Die einen denken unternehmerisch, die anderen in Ideologien" hilft auch nicht wirklich weiter. Ideologie bezeichnet zunächst einmal eine Weltanschauung. Wer würde schon von sich behaupten, er hätte keine Weltanschauung? Auch unternehmerisch ausgerichtete Menschen dürfen von sich behaupten, eine Weltanschauung zu haben. Wer von sich behauptet, keine Ideologie zu haben, kennt entweder seine Ausrichtung nicht oder hält seine Weltanschauung für die einzig richtige.

SAP hat auch einen Betriebsrat
Und so wundert es auch nicht, wenn in dem Artikel der ehemalige SAP-Prokurist und jetzige freigestellte stellvertretende BR-Vorsitzende Klaus Gassmann sagt: "Mit alten Ideologien wolle er nichts zu tun haben". "Modern und aktiv" soll der von drei Gewerkschaftsmitgliedern initiierte SAP-Betriebsrat sein. Das wünschen auch wir der SAP AG. Warum soll es dieser Firma schlechter gehen als anderen Unternehmen. Ein Unternehmen, das sich die Industrialisierung der Unternehmenssoftware auf die Fahnen geschrieben hat, kommt ohne Betriebsrat gar nicht aus. Ein engagierter Betriebsrat gilt geradezu als ein Modernisierungsfaktor! Das erkennt auch der Artikel der Stuttgarter Zeitung an. Genau deshalb haben wir auch nicht verstanden, warum das SAP-Management sich so vehement gegen die Betriebsratswahl gestemmt hatte.

Letzte Änderung: 01.08.2008


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