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IG Metall @ SAP

Informationen für Beschäftigte der SAP SE und der SAP Deutschland SE & Co. KG



SAP und Finanzinvestoren

Michael Schwemmle - Kandidat für die Liste IG Metall / ver.di - SAP Aufsichtsrat

06.03.2007 (K)ein Schatz im Silbersee?

Von Finanzinvestoren - vornehm "private equity", weniger vornehm aber gefühlsstärker auch schon mal "Heuschrecken" genannt - ist dieser Tage allenthalben die Rede. Die Deals der Beteiligungsgesellschaften schlagen alle Rekorde, ebenso die von ihnen angehäuften finanziellen Mittel: Jüngst bot ein von KKR (siehe Linkliste unten) und der Texas Pacific Group geführtes Investorenkonsortium knapp 45 Mrd. US-Dollar für eine Übernahme des texanischen Stromkonzerns TXU und im laufenden Jahr wollen die sog. Private-Equity-Fonds weltweit rund 380 Mrd. Euro einsammeln, um damit auf die Pirsch nach lukrativen Anlagemöglichkeiten zu gehen. Angesichts solcher Geldsummen und der Erfahrung, dass Finanzinvestoren ihre Operationen für gewöhnlich größtenteils durch Kredite finanzieren, wird deutlich, dass auch große Konzerne längst nicht mehr vor einem Einstieg von Blackstone und Konsorten gefeit sind. Dies gilt selbst für kapitalstarke Dax-Unternehmen, wie der Fall der Deutschen Telekom bereits im vergangenen Jahr exemplarisch gezeigt hat.

Gerüchte sind Rauchzeichen der Wahrheit
Auch SAP scheint nun dem Vernehmen nach ins Visier der Beteiligungsfirmen geraten zu sein. Die Wirtschaftswoche schreibt vom "Heuschreckenalarm in Walldorf" und berichtet, dass der US-amerikanische Investor Silver Lake angeblich 7,5 Mrd. Euro mobilisieren wolle, um einem der SAP-Gründer Aktien des Unternehmens abzukaufen. Silver Lake ist seit Jahren in der IT-Szene unterwegs, der Ein- und Wiederausstieg des Unternehmens beim Festplattenhersteller Seagate erbrachte eine milliardenschwere Rendite, auch beim Verkauf der Halbleitersparte von Philips war der Investor beteiligt, ebenso an der Transaktion des Softwareherstellers UDS an Siemens vor wenigen Wochen. Prinzipiell wäre ein solcher Coup den Amerikanern, die sich nach eigenem Bekunden auf den Einstieg bei "Marktführern" fokussieren, also durchaus zuzutrauen. Vielleicht auch nur, wie gleichfalls gerüchteweise verlautet, um Hewlett-Packard als eigentlichem Kaufinteressenten an SAP zuvorzukommen - und bei einer baldigen Weiterveräußerung an HP kräftig abzukassieren.

SAP-Gründer dementieren
Nun haben die SAP-Gründer flugs kundtun lassen, "dass sie ihr grundsätzliches Engagement in die SAP AG nicht verändern werden". Auch wenn man schon kräftigere Dementis vernommen hat, will man dem gerne Glauben schenken. Spannend an dem ganzen Vorgang ist allerdings gar nicht in erster Linie die Frage, ob an den aktuellen Gerüchten um SAP und Silver Lake tatsächlich etwas dran "ist". Sondern die Tatsache, dass etwas dran sein "könnte", zweifelt doch kaum ein Marktbeobachter mehr an der prinzipiellen Möglichkeit des Einstiegs eines Finanzinvestors bei SAP. Das belegt nicht zuletzt die freudig erregte Reaktion der Kapitalmärkte, die die SAP-Aktie um bis zu fünf Prozent nach oben schießen ließ.

Wo steckt das Problem?
Das Problem für die ArbeitnehmerInnen liegt darin, dass außerbörsliche Finanzinvestoren (privates Beteiligungskapital = Private Equity) heutzutage völlig legal und wegen der fehlenden Transparenz unbemerkt größte Geldsummen aus allen Teilen der Welt in kürzester Zeit mobilisieren (sprich: zusammenleihen) können und dass die Reaktionszeit im Ernstfall dann kaum noch eine Einflussnahme der davon betroffenen ArbeitnehmerInnen zulässt.

Offenbar haben sich die Zeiten geändert, offenbar gibt es auch für große und erfolgreiche Unternehmen wie SAP keine Schutzwälle mehr. Wegschauen oder alte Zeiten herbei sehnen sind auch kein Lösungsansatz. Es ist durchaus nicht auszuschließen, dass in nicht allzu ferner Zukunft "Externe der anderen Art" - sprich: Abgesandte von Finanzinvestoren - auf der Anteilseignerbank im SAP-Aufsichtsrat Platz nehmen. Bei aller Notwendigkeit, deren Aktivitäten differenziert zu betrachten, gilt doch nach wie vor, dass solche Anleger in aller Regel nicht "mit" Unternehmen und "mit" den darin Beschäftigten Geld verdienen wollen, sondern "an" ihnen - und dies möglichst viel und möglichst schnell. Wie dann die Zukunft des Unternehmens bzw. die Zukunft der Arbeitsplätze dieses Unternehmens aussieht, kann den hoch mobilen Finanzinvestoren völlig egal sein. Siehe zum Beispiel Friedrich Grohe AG, die 1998 von der Investorengruppe BC-Partners übernommen und 2004 von der Großbank Credit Suisse First Boston "CSFB Private Equity" veräußert wurde. Für die Beschäftigten ist dies beileibe nicht immer von Vorteil - allein bei der Firma Grohe sind tausende Arbeitsplätze vernichtet worden (siehe Linkliste unten).

Was hat das mit der AR-Wahl bei SAP zu tun?
Entwicklungen wie jüngst bei der Deutsche Börse AG und der IWKA, wo eher kurzfristig agierende, privat gemanagte Investmentgesellschaften (Hedge-Fonds) ohne öffentliche Transparenz und Kontrolle erstmals in Deutschland in größeren Unternehmen den Rücktritt von Vorständen und Aufsichtratsmitgliedern erzwangen, sollten Warnung genug sein, wenn man auf einen sicheren Arbeitsplatz angewiesen ist. Allein schon deshalb dürfte es Sinn machen, auch auf der Seite der Arbeitnehmervertreter im SAP-Aufsichtsrat Leute zu haben, die in anderen Kontexten Erfahrungen mit Finanzinvestoren gemacht haben und die sich Dank eines an Arbeitnehmerinteressen orientierten Expertennetzwerkes schneller einen Überblick verschaffen können.

Michael Schwemmle, Heribert Fieber

Letzte Änderung: 01.12.2008


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