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IG Metall @ SAP

Informationen für Beschäftigte der SAP SE und der SAP Deutschland SE & Co. KG



SAP streicht 3300 Arbeitsplätze

SAP verdient prächtig und spart bei der Belegschaft

28.01.2009 SAP hat im abgelaufenen Jahr deutlich mehr Gewinn gemacht, als erwartet wurde. Jetzt wird im Schatten der Finanzkrise versucht, den Börsenkurs auf Kosten der Belegschaft zu erhöhen

Was zurzeit bei SAP passiert ist in vielerlei Hinsicht äußerst bemerkenswert.

Die Ausgangslage

Trotz einer Gewinnmarge von über 25% setzt SAP den Rotstift an. Und das nicht nach reiflicher Planung und nach ausführlicher Diskussion der FÜR und WIDER mit dem Betriebsrat, wie das Gesetz es verlangt, sondern in einer Nacht- und Nebelaktion.

O-Ton des LGD-Betriebsrat heute Mittag:

"Der Vorsitz des Betriebsrates und der Wirtschaftsausschuss wurden gestern am späten Abend über die Eckpunkte der Entscheidungen des Aufsichtsrates, die dieser in einer außerordentlichen Sitzung am späten Nachmittag getroffen hatte, unterrichtet."

Was sagt uns das?

Das klingt nach Information und Rechtschaffenheit, ist es aber nicht. Laut Betriebsverfassungsgesetz hat eine Information über eine Betriebsänderung rechtzeitig und umfassend zu sein. Also ausführliche Information "ohne schuldhafte Verzögerung" und nicht "nachdem" alles beschlossene Sache ist. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass die Informationen in der "Planungsphase" zu erfolgen haben. All' dies ist nicht erfolgt, denn Eckpunkte sind keine Information, und "nach Verabschiedung im Aufsichtsrat" ist nicht rechtzeitig. Eine Beratung mit dem Betriebsrat ist bis heute nicht erfolgt. Diese wäre aber notwendig gewesen, bevor Henning Kagermann mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel und mit Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger redet.

Bei einer plötzlich eintretenden Notlage würde man die Vorschrift "rechtzeitig" tolerant sehen. Mit 2,84 Milliarden Euro Gewinn kann man aber nicht von einer Notlage bei SAP sprechen. Selbst die Einschätzung der Analysten wurde deutlich übertroffen. SAP will günstiger dastehen als der Wettbewerb - da bleibt genügend Zeit, um die zum Schutze der Belegschaft erlassenen Gesetze zu beachten. Aber gerade das will man wohl in der Chefetage nicht: "Die Belegschaft soll offensichtlich ihres Schutzes beraubt werden".

Als weiteres Mittel dieser "illegalen" Taktik, wird gleich heute Abend "am Betriebsrat vorbei und vor jeglicher fundierten Beratung mit der Belegschaftsvertretung" eine Mitarbeiterversammlung abgehalten, um den weltweit beschlossenen Stellenabbau von 3300 Arbeitsplätzen unverrückbar festzuzurren.

§ 111 BetrVG sagt:

Die Rechtslage ist eindeutig - SAP liegt daneben

In Unternehmen mit in der Regel mehr als zwanzig wahlberechtigten Arbeitnehmern hat der Unternehmer den Betriebsrat über geplante Betriebsänderungen, die wesentliche Nachteile für die Belegschaft oder erhebliche Teile der Belegschaft zur Folge haben können, rechtzeitig und umfassend zu unterrichten und die geplanten Betriebsänderungen mit dem Betriebsrat zu beraten.

Was kann der Betriebsrat machen?

Wenn jetzt der Betriebsrat vor lauter Hektik gleich eine Betriebsversammlung einberuft, wie vom Arbeitgeber vorgeschlagen, weiß er gar nicht, was er der Belegschaft Konkretes zu sagen hat, außer, dass der Arbeitgeber wieder einmal das Gesetz gebrochen hat und dass dies für die Zukunft für die Belegschaft nichts Gutes bedeutet. Jetzt kann der Betriebsrat nur noch "hinterher verhandeln", um den Schaden für die Belegschaft zu begrenzen.

Nullrunde als "Dankeschön"

Auch wenn man vom Stellenabbau selbst einstweilen verschont bleibt, also seinen Arbeitsplatz behält, in einem Jahr gibt's weltweit 3300, bundesweit ca. 650 Arbeitsplätze weniger als geplant. Die Zielvereinbarungen sind aber auf die geplante Belegschaftsstärke ausgerichtet. Und diese Zielvereinbarungen müssen eingehalten werden. Die Unterschrift war aber vor dem Hintergrund eines überschaubaren, stabilen Teams und unter der Prämisse unterschrieben worden, dass die Rahmenbedingung wie Versetzung, freizügige Dienstreisen usw. erhalten bleiben. Das trifft jetzt nicht mehr zu. Und wenn man seine vereinbarten Ziele nicht einhält, droht Gehaltsverlust, denn der Bonus hängt vom Grad der Zielerreichung ab. Und die für 2009 erhoffte generelle Gehaltserhöhung zur Kompensation der allg. Teuerung der Lebenshaltung ist jetzt auch fraglich. Der gesamten Belegschaft droht eine Nullrunde, d.h. Reallohnverlust trotz dickem Gewinn der SAP.

Der Geschäftsführer der SAP D mailte auch schon heute Morgen folgerichtig unter der Überschrift "Zielerreichung im 4. Quartal 2008" an seine Vertriebsmannschaft:

Verlustbeteiligung á la SAP

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das vierte Quartal 2008 hat sich als sehr viel schwieriger herausgestellt, als es jeder hätte vorhersagen können. Trotz Eures hohen Einsatzes und Engagements, für das ich mich recht herzlich bedanke, haben wir im vierten Quartal nur eine Zielerreichung [...] von 79, 91% erreicht. Daraus ergibt sich, dass für dieses Quartal keine Zahlung an die teilnahmeberechtigten Mitarbeiter erfolgt. Die Regelungen sehen erst eine Zahlung ab 80% Zielerreichung vor.

Es ist bei SAP also völlig egal, wer an der Nichterreichung der Ziele Schuld ist. Und 0,09 % reichen, um die erhoffte geldwerte Anerkennung (quartalsweise Abschlagszahlung) zu versagen - peinlich. Die Haare stehen einem Mitarbeiter aber gänzlich zu Berge, wenn er zeitgleich in der Zeitung lesen muss: "Trotz der angespannten Situation will der SAP-Konzern aber nicht auf das Ausschütten einer Dividende an seine Aktionäre verzichten." (z.B. Mannheimer Morgen oder Reuters Deutschland, siehe Linkliste).

Wer schimpft jetzt noch darüber, dass wir vor mehr als 2 Jahren darauf bestanden und die SAP-KollegInnen der Gruppe Pro Mitbestimmung dabei unterstützt haben, dass sich die SAP-Belegschaft endlich einen Betriebsrat wählt? Wer behauptet jetzt noch, er könne sich alleine helfen? Wer träumt immer noch davon, dass die alten Zeiten wieder zurückkommen? Solche Leute verdienen bald nur noch ein Traumgehalt für einen Traumjob.

Letzte Änderung: 08.02.2009


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