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Konzerne - Problem für die Demokratie?

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24.11.2011 Der britische Soziologe Colin Crouch beschreibt die gefährliche Machtzunahme der Konzerne im Neoliberalismus und die daraus resultierenden Konsequenzen.

Die Funktionsfähigkeit westlicher Demokratien wird gegenwärtig ernsthaft auf die Probe gestellt: Kann die ökonomische Krise in einer Art und Weise bewältigt werden, die der Lage der großen Mehrheit der Bevölkerung Rechnung trägt, oder müssen die Interessen der Banken, die die Krise durch ihre verantwortungslose Nutzung der Sekundärmärkte erst auslösten, stets privilegiert werden? Es ist eine große Ironie, dass es - während die Kapitaleinkommen damit gerechtfertigt werden, dass die Anteilseigner letztendlich das Risiko tragen - in der globalen Ökonomie der Gegenwart die Anteilseigner der Banken sind, die vorrangigen Anspruch auf die finanziellen Ressourcen haben.

Luftschlösser

Die Sache derart zugespitzt auszudrücken, wäre allerdings demagogisch und macht ein paar Richtigstellungen erforderlich. Obwohl das Verhalten von Investmentbankern die Krise ursprünglich verursacht hat und obwohl dieselben persönlich am meisten davon profitiert haben und dies noch immer tun, haben doch Millionen von uns von deren Tätigkeit profitiert. In den Vereinigten Staaten und anderswo konnten während der 1990er und 2000er Jahre viele Menschen trotz stagnierender Löhne ihr Konsumniveau aufrechterhalten, weil die Banken ihnen in erheblichem Maße ungesicherte Hypotheken auf ihre Immobilien anboten und Kartenkredite einräumten. Als dann die Banken anderer Länder begannen, die überbewerteten Finanztitel der us-amerikanischen und britischen Banken aufzukaufen und damit in das "Spiel" einstiegen, diese noch deutlicher überbewertet weiter zu verkaufen, entstand die Illusion, die westliche Welt würde tatsächlich reicher. Regierungen und Haushalte erlaubten sich Ausgaben, die allein durch diese Wachstumsillusion gestützt wurden. Diese Luftschlösser mussten früher oder später einstürzen und im Jahr 2008 taten sie dies schließlich. Nun wurden wir alle auf den Boden der Realität zurück geholt und müssen uns wieder an einen Lebensstandard gewöhnen, der in etwa dem Niveau entspricht, welches wir ohne den durch die Banken angetriebenen Boom erreicht hätten.

Finanzmärkte und Löhne

Es lässt sich deshalb nicht argumentieren, dass der gewöhnliche Arbeiter vor allen negativen Konsequenzen des Kollaps der Sekundärmarktblase geschützt werden müsste. Jedoch können und müssen wir die Ungleichheit betrachten, mit der Finanzinteressen auf der einen Seite und die Interessen des Restes auf der anderen Seite behandelt werden. In den Vereinigten Staaten und in Großbritannien haben in 2010 die Gewinne der Banken und die persönlichen Einkünfte der Banker schon wieder das außerordentlich hohe Niveau der Vorkrisenzeit erreicht. Zur selben Zeit erleben weltweit Arbeitnehmer im privaten Sektor stagnierende Löhne, während solche im öffentlichen Sektor oft sogar mit Lohnsenkungen konfrontiert sind. Dass die Einkommen der Banker weiter angestiegen sind, ist in zweierlei Hinsicht verwunderlich. Erstens verdankten diese ihr astronomisches Niveau vor der Krise nur den Aktivitäten auf den Sekundärmärkten, von denen wir nun wissen, dass sie nicht korrekt waren und auf fehlerhaften Informationen über Vermögenswerte beruhten. Zweitens stiegen die Gewinne und Boni nach der Krise in einer Zeit als die Banken weiterhin massiv durch dieselben Steuerzahler, deren eigene Einkommen stagnierten oder sanken, subventioniert wurden.

Die Einbahnstraße des Finanzmarktkapitalismus

Wenn wir die Verantwortlichen in den Regierungen - zumindest in den Vereinigten Staaten oder Großbritannien - fragen, warum sie das weiterhin zulassen, sagen sie uns, dass wir wieder profitable Banken brauchen, weil wir, wie die Krise doch gezeigt hat, so sehr von diesen abhängig sind. In der Tat, auch wenn sie es nicht so offen aussprechen können, so wollen sie doch, dass die Banken zu der Art von Verhalten zurückkehren, welches die Krise überhaupt erst verursacht hat. Anscheinend kennen sie keinen anderen Weg zurück zu weltweiter Prosperität als die Schaffung fiktiver Wohlstandszuwächse durch Finanzgeschäfte. Die Regierungen sagen zwar, dass sie Regulierungen einführen werden, die verhindern, dass sich die Banker erneut so verantwortungslos verhalten, wie sie es getan haben. Die bisherige Bilanz lässt aber vermuten, dass diese Maßnahmen rein kosmetischer Natur bleiben werden.

Dies erklärt, warum das neoliberale Modell unregulierter Märkte nochmals gestärkt aus der Krise heraus kam, obwohl diese doch gerade nachdrücklich sein Versagen aufgezeigt hatte. Durch unsere Regierungen wurde offenbar, wie abhängig wir von den deregulierten Banken sind, egal wie unverantwortlich diese sich verhalten; tatsächlich, umso schlimmer sie sich verhalten, desto abhängiger werden wir, weil das hemmungsloseste Verhalten die höchsten Profite einbringt.

Im Link findet sich der vollständige Aufsatz von Colin Crouch.

Letzte Änderung: 23.11.2011


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