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IG Metall @ SAP

Informationen für Beschäftigte der SAP SE und der SAP Deutschland SE & Co. KG



Wenn Leistung krank macht

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18.03.2013 Studien vergangener Jahre bestätigen die steigenden arbeitsbedingten Belastungen und deren negativen Auswirkungen. Betroffene berichten über die Folgen:

Sehr gute Leistung bedeutet nicht zugleich sehr gute Noten

"Mein Chef wollte, dass ich meine Selbsteinschätzung für das vergangene Jahr 2012 bereits im PRM-(Leistungsmessungs-)Tool eintrage. Er meinte, ich muss das machen. Ich bin dem gefolgt und habe ihm das Dokument einen Tag vor dem Gespräch gesendet, mit dem Wissen, er wird in einigen Tagen nicht mehr mein Chef sein. Die übliche Reorganisation stand bevor. Das Gespräch mit der Führungskraft empfand ich als unspektakulär. Nach 15 Minuten unternehmensinternen Gelabers wurde mir die Note 'Meets Expectations', also 100%, als Schulnote mitgeteilt. Meine Versuche den Prozentsatz auf 105% anzuheben sind gescheitert, obwohl ich mich sehr gut auf das Gespräch vorbereitet habe. Alle Einwände und Bemerkungen wurden nicht berücksichtigt oder besser Zunichte gemacht. Er meinte sogar, er gäbe mir 100%, weil er jetzt wechsle, sonst würde ich bei ca. 90% bewertet werden. Grund sind seine überzogenen Erwartungen an meine Leistung. Ich sei sowieso oftmals krank. Außerdem sei ich nicht sichtbar. Wie könnte ich sichtbar sein? Ich habe gar keine Zeit mich bei den oberen Chefs anzubiedern. Ich habe ihm gesagt, dass ich meine Arbeit mache und es keine Eskalationen gäbe, ich gäbe mein Bestes, würde Überstunden machen, notfalls auch am Wochenende arbeiten. Was ich nicht gesagt habe: Ich schlafe oft Nachts nicht, habe ein Magengeschwür und große Ängste die Arbeitsmenge nicht zu bewältigen. Ich habe oft Angst morgens zur Firma zu gehen - mit dem Gedanken was kommt heute noch. Ich bin enttäuscht von den 100% Leistungsbewertung, sozusagen Note 3 also befriedigend, meines Managers, auch weil ich bei der neuen Gehaltseinstufung die Minimalgehaltserhöhung von nur 1,25% erhalten habe. Labidar meinte mein Manager, dass er nur nach der Merit Matrix (Leistungsbewertungs-Schemata der Personalverwaltung) gehen würde. Eine Ausnahme für mich wäre nicht denkbar. Den Senior-Titel würde ich vielleicht im nächsten Jahr bekommen, höre ich seit vielen Jahren. Wenn ich mich anstrenge und noch mehr Projekte machen würde."

100% Leistung und nicht mehr

"Ich arbeite seit fast 20 Jahren bei SAP. Mein Einstiegsgehalt habe ich sehr schlecht verhandelt. Und mit meinem ersten Chef hatte ich auch noch Pech, da er nur 'seine Leute' förderte. Selbst wurde mir immer wieder die 'große Karotte' versprochen 'wenn ich dies und jenes schaffen würde', doch es blieb bei der 'Karotte". Jetzt zähle ich nur noch die Jahre, obwohl ich jederzeit bereit wäre, mehr als 100% zu leisten."

Leistung mit Dauerdruck

"Eigentlich kann ich nicht mehr. Der Druck in den Projekten ist immer am oberen Level. Kaum Zeit zum Verschnaufen und für kreative Phasen. Und dann noch eine Leistungsbewertung von sage und schreibe nur 105% und einer Deckelung auf knapp über 80%. Da bekomme ich eine richtige Krise. Das habe ich auch meinem Manager gesagt und der meinte, das ist halt so vorgegeben, da kann er überhaupt nichts machen. Ich weiß natürlich von Kollegen, dass sie mehr als 130% Zielerreichung bekommen haben. Das haben sie auch verdient, doch ich zahle durch die Deckelung richtig drauf. Der Vorstand setzt die Ziele viel zu hoch und begrenzt den Bonustopf, und sorgt für noch mehr Ungerechtigkeit bei der Bezahlung und demotiviert gleichzeitig nachhaltig."

Ohne reale Gehaltserhöhung

"Beschäftigte bei SAP haben keine wirkliche Verhandlungsbasis weder beim Gehalt noch bei der Zieldefinition. Die Organisation ist starr und unflexibel. Viele Mitarbeiter sind komplett falsch eingruppiert, besonders Frauen, und kleben seit vielen Jahren in den unteren Gehaltsgruppen fest - ohne Entwicklungsperspektiven. Gehaltseinbußen sind über die Jahre vor allem bei Teilzeitkräften und Mitarbeiter/-innen nach einer längeren Erwerbspause entstanden. Das Gehaltssystem bei SAP unterliegt einer großen Willkür und Unprofessionalität. Die Leidtragenden sind viele Kolleginnen und Kollegen. Ein Tarifvertrag wäre ein Segen für alle."

Bei über 1.000 Langzeiterkrankungen im betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) ist der "seidene Faden" in Deutschland mit seinen 17.000 Beschäftigten längst gerissen.

Quelle: SAP-Kolleginnen und -Kollegen, die ungenannt bleiben wollen.

Letzte Änderung: 20.03.2013


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