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IG Metall @ SAP

Informationen für Beschäftigte der SAP SE und der SAP Deutschland SE & Co. KG



Die dunklen Schatten des Erfolgs (4)

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24.12.2013 Schonungslos im Sog der Rendite-Gier

Fall 1: Jahrelanger Einsatz ohne Lohn

"Mein Chef gab mir bei unserem jährlichen 'Performance'-Gespräch nur die Bewertung meiner Ziele von 90 Prozent. Das hat mich sehr enttäuscht, da ich seit Jahren weit mehr als meine 40 Stunden arbeite, Abends und sogar am Wochenende für die Kollegen in den USA erreichbar bin - und ich ein exzellentes Projektergebnis abgeliefert habe. Meine Familie und mein Privatleben habe ich dabei notgedrungen vernachlässigt. [Unter Tränen] Da war ich erst einmal einige Monate krank."

Fall 2: Noch mehr geht irgendwann nicht mehr

"Letztes Jahr hatte ich noch eine überdurchschnittliche Zielerreichung von über 130 Prozent und dieses Jahr nach einem Managerwechsel, mein neuer Chef sitzt in den USA, nur noch 80 Prozent erhalten, obwohl ich nicht mehr und nicht weniger gearbeitet habe, das heißt, mindestens 50 Stunden je Arbeitswoche. Jetzt weiß ich, wie mich unrealistische Zielsetzungen kaputt gemacht haben."

Fall 3: Jahre des privaten Verzichts

Fast zwei Jahrzehnte übererfüllt Maya (Name geändert) ihre Ziele und bekommt dementsprechend einen sehr hohen zusätzlichen Bonus ausbezahlt. Nachdem das Vertrauensverhältnis mit ihrem Management auf Mobbingebene angekommen ist, wird sie rückwirkend für das Jahr 2012 nur noch mit 80 Prozent bei der Leistungsbewertung beurteilt. Das ist eine materielle wie auch immaterielle Nicht-Wertschätzung, die sie letztendlich in eine längere Krankheitsphase stürzt. Nachdem ihr von der Personalverwaltung der Jobwechsel innerhalb des Konzerns erschwert wird und ihr ernsthaft ein Arbeitsvertrag in einem Niedriglohnland mit den länderüblichen Konditionen angeboten wird, wiederholt sich ihre Krankheitsgeschichte und sie fällt wieder lange Zeit aus. Letztendlich muss sie vor dem Arbeitsgericht um ihre Rechte kämpfen.

Fall 4: Jung am Ende

"Unser Leistungsbewertungssystem empfinde ich als Mobbing-Instrument, um uns andauernd unter Druck zu setzen. Wenn wir zu langsam arbeiten, sollen wir schneller werden. Wenn wir ein sehr gutes Ergebnis abliefern, sollen wir übernächste Woche ein noch besseres Ergebnis erreichen. Wenn dem Manager die Kundenbearbeitungen zu gering sind, schraubt er einfach die abzuarbeitende Zahl der Kundenmeldungen nach oben. Und dann sagt einer der Firmengründer, dass wir Deutsche eh nichts mehr bringen."

Der Einzelne wird für die hohen Zielvorgaben verantwortlich gemacht. Ein dokumentiertes Zielsetzungssystem mit einer anschließenden Benotung durch den Vorgesetzten nach mehrheitlich subjektiven und kaum selbst beeinflussbaren Zielkriterien lässt eine unkontrollierbare Willkür zu. Der Beschäftigte ist einem reinen Leistungs- und Zielemanagementsystem ausgeliefert, "ohne Leitplanken" und wird sozusagen von "unsichtbarer Hand", vom Markt, gesteuert. Wie kann eine Führungskraft überhaupt seine Fürsorgepflicht erfüllen, wenn sie selbst Teil des fremdgesteuerten Systems ist, wenn eine sehr gute Leistung nicht zugleich sehr gute Noten und somit ein angemessenes Entgelt bedeutet?

Die Beschäftigten verfügen oft nicht über den notwendigen Gestaltungsspielraum, um ihre Arbeitsaufgaben und -belastungen selbst zu beeinflussen. Nur das Ergebnis zählt. Notwendig wäre eine Wertschätzung von Erfahrungswissen, um die Zuständigkeit der Beschäftigten zu erweitern. Allein die Einhaltung einer regelmäßigen, täglichen Arbeitszeit von acht Stunden wäre nachhaltig weniger belastend für die Menschen.

Aufgeblähte Boni, Gehälter, Prämien, Optionsgeschäfte, Abfindungsregelungen, Antrittsgelder, Rentenbezugsansprüche und Abgangsentschädigungen für die sogenannte Wirtschaftselite sind Ausdruck eines finanzmarktgetriebenen Turbokapitalismus und seines kurzfristigen, irrsinnigen Renditedenkens.

Muss der (nicht arbeitende) Kapitalgeber immer rücksichtsloser gegen die Gesundheit der Beschäftigten werden? Wo bleibt deren gesellschaftliche Verantwortung?

Letzte Änderung: 23.12.2013


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