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IG Metall @ SAP

Informationen für Beschäftigte der SAP SE und der SAP Deutschland SE & Co. KG



Die dunklen Schatten des Erfolgs (10)

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05.01.2014 Nicht lustig: "Wir werden 35 Prozent Gewinnmarge erreichen"

Als zentrale Ursache für die immensen arbeitsbedingten Belastungen kann die maßlose, marktradikale Renditevorgabe angesehen werden: Im Jahr 2015 soll sie über 35 Prozent erreichen. Der persönliche Profit von wenigen ist hier wichtiger als Fragen zur Gesundheit am Arbeitsplatz.

Die Entwicklung bei SAP steht dafür, wie stark zwei Pole auseinander driften: die wirtschaftlich möglichst optimale Verwertung der Arbeitskraft und die soziale Anerkennung der Arbeitsleistung. Jeder Beschäftigte soll als Individuum seine Wettbewerbs- und Wertschöpfungsfähigkeit täglich unter Beweis stellen. Wer "sich nicht rechnet", dem drohen Sanktionen - spätestens im jährlichen Mitarbeitergespräch, das die Bewertung der Leistung, des Engagements und zukünftig des Verhaltens (z.B. Anpassungsfähigkeit, Flexibilität, Arroganz o.ä.) bzw. der Einhaltung von "Unternehmenswerten" beinhaltet.

Die Arbeit im Unternehmen muss umgestaltet werden: Der psychische Druck und die Dauerbelastung müssen abgebaut werden. Gegen vorgegebene Rahmenbedingungen und inhumane Arbeitsbedingungen kann der einzelne Beschäftigte allein nichts unternehmen. Und: Auf freiwilliges Handeln "von oben" zu warten, das zeigt die Erfahrung, ist illusorisch. Zu guter Arbeit gehören aber nachhaltige Arbeitsbedingungen. Über Konsequenzen sollten klare Gesetze beschlossen werden.

Doch während die Durchsetzung entsprechender Forderungen schon auf betrieblicher Ebene, im direkten Kontakt der Beschäftigten untereinander und mit dem Management schwierig ist und eine Überwindung der individualisierenden Managementtechniken voraussetzen würde, rollt die nächste Welle zur Verschärfung der Arbeitsbedingungen bereits auf uns alle zu: Cloud Computing, Crowdsourcing, Talent Cloud - neue Arbeitsformen mischen momentan die IT-Branche ordentlich auf.

Studien vergangener Jahre bestätigen die steigenden arbeitsbedingten Belastungen und deren negativen Auswirkungen. Zusätzlich unterstützt von einer prozessorientierten Rationalisierungs- und Beschleunigungssoftware, welche im Kern das Bild eines "gläsernen Mitarbeiters" fördert. Entgrenzende Software-Anwendung bedeutet zum Beispiel die Dokumentation und Kontrolle von bearbeiteten Kundenmeldungen zur Leistungsmessung, das Monitoring von individuellen Zielvorgaben und Leistungsbewertungen des Managements oder die Erstellung und das Abgleichen von Profilen der Beschäftigten.

Schon in der Präambel der Betriebsvereinbarung zum "Talent Management", deutsch: Personalentwicklung, steht geschrieben, dass es "ein Fundament für eine ganzheitliche Betrachtung des Mitarbeiters" liefert und eine erfolgreiche Leistung des Mitarbeiters unterstützt. Es sollen einerseits "Hauptaufgaben abgeleiteter individueller Ziele" und andererseits "SAP-Werte in ihrer jeweiligen Konkretisierung durch ausdrücklich benannte Verhaltenskompetenzen aus dem jeweiligen Jobprofil des Mitarbeiters" umgesetzt werden. Dies hat dann entscheidende Bedeutung auf Gehaltserhöhung, Einstufung auf der Leistungsskala der Leistungs- und Potenzialmatrix und auf die Anzahl der zugeteilten Aktien in Aktienprogramme.

Weiter erfolgt die Leistungsplanung "unter Berücksichtigung der persönlichen und betrieblichen Situation des Mitarbeiters". Und jederzeit kann ein Statusgespräch stattfinden und der Leistungsplan geändert sowie mindestens einmal im Jahr eine Zwischenbeurteilung durchgeführt werden.

Prozesse zu Leistungs- und Verhaltensbeurteilung erzeugen besondere Risiken psychosozialer Fehlbelastungen für die Beurteilten und Beurteilenden gleichermaßen. Für einen ganzheitlichen Arbeitsschutz sind Verfahren zur mitbestimmten Erkennung und Beurteilung psychosozialer Gefährdungen erforderlich.

Letzte Änderung: 04.01.2014


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