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IG Metall @ SAP

Informationen für Beschäftigte der SAP SE und der SAP Deutschland SE & Co. KG



Pay-for-Performance: Ein Scherbenhaufen!

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30.11.2015 "Pay for Perfomance" - bei SAP wird angeblich nach Leistung bezahlt, so heißt es seit wenigstens 15 Jahren.

Tatsächlich legt eine Untersuchung des Betriebsrats der SAP SE, wie er in seinem letzten Newsletter berichtete, aber nahe, dass seit wenigstens diesen 15 Jahren der Zufall zu großen Teilen die Gehaltsentwicklung der einzelnen Beschäftigten bestimmt. Wie kann das sein?

Die Ermittlung der Gehaltserhöhungen bei SAP (und vielen anderen nicht Tarif-gebundenen Unternehmen) geschieht abteilungsbezogen: zunächst erhält die Abteilung nach irgendeinem Schlüssel einen Erhöhungsbetrag, den dann der Abteilungsleiter nach anderen Kriterien weiterverteilt. Umso stärker sich nun die Kriterien der Zuweisung an die Abteilungen von der Zuweisung innerhalb der Abteilungen unterscheiden, umso stärker wird das zufällige Element der Zuweisung.

Lt. Betriebsvereinbarung soll die Leistungsbewertung des vorangegangenen Jahres sowie die relative Lage im Gehaltsband eine wesentliche Rolle bei der Bestimmung der Gehaltserhöhung eines Mitarbeiters durch seine Führungskraft spielen. So erhielt lt. Betriebsvereinbarung ein mit (+), also gut, bewerteter und im mittleren Bereich seines Bandes liegender Beschäftigter 2015 eine "moderate Erhöhung" in etwa in der Höhe des mittleren Abteilungswertes. Hingegen floss bei der Zuweisung der Budgets an die Abteilungen zwar die relative Lage der Abteilungsmitarbeiter ein, nicht aber die Bewertungen!

Wie die Zahlen des Betriebsrats zeigen, schwankten die abteilungsbezogenen Bezugsgrößen, bedingt durch die unterschiedlichen relativen Lagen der jeweiligen Mitarbeiter einer Abteilung enorm. 2014 lagen sie zwischen 2,6% und 5,2% (inkl. ca. 1% Sockel), 2015 lagen sie zwischen 0% und 2,7% (exkl. 1% Sockel). D.h. in 2015 lag die lt. Betriebsvereinbarung für diesen Beschäftigten angedachte Gehaltserhöhung - je nach Abteilung - zwischen 1% und 3,7%! Zwei Manager aus zwei verschiedenen Abteilungen müssten ihren jeweiligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf gleicher Stufe und gleicher Leistung damit sehr unterschiedliche Erhörung vergeben!

Die Modellrechnung des Betriebsrats schreibt diese Zufallsverteilung, vergleichbarer Mitarbeiter über 10 Jahre fort. Wie man in der diesem Artikel angehängten Datei sehen kann, verteilen sich diese ursprünglich einheitlichen Gehälter (=100%) nach 10 Jahren über einen Bereich von 114% -131%! D.h. die Streuung des Zuwachses durch den Faktor Zufall ist von der gleichen Größenordnung, wie der eigentliche Zuwachs.

Die mittlere Firmenzugehörigkeit liegt bei SAP lt. Sozialbericht deutlich über 10 Jahre. Und der beschriebene Streumechanismus ist nicht der einzig! So ist auch der vom Vorstand jährlich festgelegt Prozentwert jedes Jahr (natürlich) unterschiedlich. Die jährliche Bewertung schwankt durchaus unabhängig von der eigenen Leistung bedingt durch externe Faktoren, Ersetzbarkeit, Beziehungsqualität zur Führungskraft, Umstrukturierungen, etc. Und bis 2014 bezog sich die Berechnungsregel noch nicht einmal auf die tatsächlichen Gehälter der Beschäftigten, sondern nur auf die Bänder. Und die Bewertung wurden - obschon auf den Job und damit auf das Gehaltsband bezogen vergeben - bezogen auf die Gehaltsgruppe (derer es pro Band dreie gibt) verwendet - was ebenfalls, so der Betriebsrat, nachweislich zur Chaotisierung der Gehaltserhöhungen beigetragen habe.

Da können wir nur zustimmen, wenn der Betriebsrat das Fazit zieht, für "Leistungsorientierung" bleibe nicht mehr viel übrig und das System der Gehaltsentwicklung sollte statt "leistungsorientiert" eher "zufallsorientiert" heißen: "Pay-by-Random" statt "Pay-for-Performance". Und wie eingangs erwähnt: dieser Scherbenhaufen ist kein SAP-Alleinstellungsmerkmal. Er ist überall dort anzutreffen, wo Gehaltserhöhungen zweistufig nach verschiedenen Kriterien verteilt werden.

Anhang:

Modellrechnung der Gehaltsentwicklung

Modellrechnung der Gehaltsentwicklung

Dateityp: PNG image, 852 x 434, 8-bit/color RGB, non-interlaced

Dateigröße: 85.06KB

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Letzte Änderung: 30.11.2015


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